Biographie

 

Morgendämmerung des Lebens

 

 


Eine Autobiographie von Michael Rebentisch

 

 

 

Inhaltsverzeichnis:

 

Vorwort

 

1.) Kapitel     - Die Kindheit –

2.) Kapitel     - Die Jugend –

3.) Kapitel     - Volljährigkeit –

4.) Kapitel     - Erwachsensein –

5.) Kapitel     - Der Weltuntergang –

6.) Kapitel     - Die Rettung –

7.) Kapitel     - Morgendämmerung –

8.) Kapitel     - Ein neues Leben –

9.) Kapitel     - Eine Wende –

10.) Kapitel   - Ein neuer Versuch –

11.) Kapitel   - Der Rückfall -

12.) Kapitel   - Der Weg –

13.) Kapitel   - Ein neuer Rückfall –

14.) Kapitel   - Ein neues Jahr-

 

 

 

 

Nachwort

 

 

 

 

Ähnlichkeiten mit Personen, die hier aufgeführt werden sind nicht zufällig, sondern erwünscht.

Diese Biographie basiert auf wahre Begebenheiten, die alle nachweisbar zu belegen sind.

 

 

 

 

Vorwort

 

Es gibt Momente im Leben, da stellt man sich die Frage des Warum und wofür. Leider ist die Dauer eines Lebens immer von Höhen und Tiefen durchzogen. Man kann es mit einer Achterbahn vergleichen. Es geht immer auf und ab. Am Anfang hat man einen Startpunkt. Danach wird man langsam in die Höhe gezogen. Ab jetzt muss man alleine durch seinen Schwung bei einer Talfahrt wieder in die Höhe kommen. So geht es immer weiter, bis irgendwann der Schwung von alleine aufhört und sich sein Leben langsam dem Stillstand nähert. Dann sollte man sich daran erinnern wie schön die Fahrt oben war. Und man sollte auf keinen Fall mitten in der Abfahrt die Notbremse ziehen. Gib dich nicht der Sorge hin, und komm nicht zu Fall durch dein Grübeln. Freude des Herzens ist für den Menschen Leben, und Frohsinn verlängert seine Tage. Rede dir selber gut zu, beruhige dein Herz, und halte den Ärger dir fern. Denn viele tötet die Sorge, und der Kummer nützt dir nichts. Neid und Verdruss verkürzen das Leben; wer sich zersorgt, der altert vor der Zeit. Wein und Künste, sie stimmen froh das Herz; doch mehr als beide die Liebe zu heiterem Sinn. Verliere nie den Lebensmut, den er ist nicht mit Gold aufzuwiegen. Aber der Gedanke an den Tod, das Bedenken des Endes spielt nun eine große Rolle in meiner Lebensführung. Aber ich bin, wenn ich an die letzte Stunde denke, getrost. Was mir auch zustößt, einer weiß, warum es gerade so und nicht anders geschieht. Und wenn ich die Hand des liebsten Menschen loslassen und es alleine abmachen muss, werde ich doch nicht verlassen sein. Ich weiß mich geborgen, soweit menschliche Anfälligkeit sich geborgen wissen kann. Die Ängste sind allerdings geblieben. Und eine neue hat sich den alten zugestellt. Die Angst, den Menschen, mit denen ich umgehe zu wenig Liebe erzeigt zu haben. Liebe ist etwas Schweres. Versäumte Liebe lässt sich nicht nachholen. Sag ja, zu den Überraschungen, die deine Pläne durchkreuzen, deine Träume zunichte machen, deinem Tag eine ganz andere Richtung geben, ja vielleicht deinem ganzen Leben. Sie sind nicht Zufall. Und lass nicht anderen die Freiheit, selber den Inhalt deiner Tage zu bestimmen. Manchmal fühlt man sich wie eine Uhr, die sich jeden Tag von neuem richten muss, weil sie jeden Tag immer wieder von neuem nachgeht.

 

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1.) Kapitel     - Die Kindheit

 

 

Ich wurde am 5.12.1963 in Männedorf, einem kleinen Dorf bei Zürich in der Schweiz, als einzigstes Kind geboren. Meine Mutter arbeitete damals in der Schweiz in einem kleinen Rechtsanwaltbüro. Als ich dann zwei Jahre alt war, zogen wir zurück in Ihr Elternhaus nach Schwenningen. Schwenningen ist eine bekannte Uhrenstadt am Neckar. Hier wurden die Kienzle – Uhren gefertigt, die in der ganzen Welt bekannt sind. Dort bekam meine Mutter eine Anstellung als Industriekauffrau bei der Uhrenfabrik Mauthe. An den Beruf meines Vaters kann ich mich nicht mehr erinnern. Meine Eltern waren sehr streng und auch stolz auf mich, da ich schon mit drei Jahren fast perfekt mit Messer und Gabel essen konnte. Zu meinen Großeltern mütterlicher Seite hatte ich ein ausgesprochenes gutes Verhältnis. Mein Opa war bei Kienzle als Feinmechaniker tätig, meine Oma arbeitete im Schwenninger Krankenhaus als Krankenschwester. Da war noch mein Onkel, der Bruder meiner Mutter. Auch er hatte Beschäftigung bei Kienzle gefunden. Oma und Opa verwöhnten mich immer, so dass meine Mutter sie oft bremsen musste. Wobei ich meine Großeltern von der Seite meines Vaters kaum in Erinnerung habe. Ich hatte da noch eine Cousine namens Kerstin. Zu der hatte ich aber kaum Kontakt. 1970 wurde ich in die Grundschule in Schwenningen eingeschult. Bis zu meinem 10. Lebensjahr verlief mein Leben eher unauffällig. In der Schule war ich zwar nie der beste, aber irgendwie kam ich durch. Thorsten war damals mein einziger Freund. Er wohnte nur zwei Häuser neben mir. Wir wurden zusammen eingeschult und besuchten dieselbe Klasse. Wir unternahmen auch ziemlich viel zusammen. Andere Freunde hatte ich nicht, da ich sonst eher schüchtern war. Erst die Grundschule und dann die Hauptschule. Die Grundschule war mir jedoch manchmal lästig, so ging ich anstatt in die Schule, im Winter lieber Schi fahren, oder spielte einfach im Schnee. Sonst verbrachte ich meine Zeit lieber auf dem Spielplatz. Pünktlichkeit war damals keine Stärke von mir. Das stand auch im Grundschulzeugnis. An verschiedene Zeiten mit meinem richtigen Vater kann ich mich nur noch in Bruchstücke erinnern. Dazu zählt ein Besuch in Berlin, wo wir Verwandte von ihm besuchten. Die wohnten in Ost-Berlin. Als ich dann 10 Jahre alt war, ließ sich meine Mutter scheiden, da sie einen anderen kennen lernte. Was damals genau los war, weiß ich nicht. Ob es an meinem Vater oder meiner Mutter kann ich nicht sagen. Sein Beruf war jedenfalls LKW-Fahrer bei Bruno-Hoyer in Hamburg. Er fuhr einen großen Tank Sattelzug. Manchmal durfte ich auch kleine Touren mitfahren, wenn Ferien waren. Ich, ein kleiner Junge in solch einem großen Auto. Wenn er lange Reisen machte schickte er uns Postkarten von den tollsten Reisezielen. Mal aus Finnland oder Schweden. Sogar Griechenland und Rumänien fuhr er an. Das war ein tolles Erlebnis. Um näher bei meiner Mutter zu sein wechselte er dann nach Donaueschingen, das lag etwa 10 Km neben Schwenningen, wo er als Linienbusfahrer tätig war. Mit 10 rauchte ich auch meine erste Zigarette aus Neugier. Mein Steifvater rauchte damals Roth-Händle, von dem ich mir eine stibitzte. Er erwischte mich dabei, und sagte ich solle sie, wenn schon dann auch ganz aufrauchen. Mir war zwei Tage schlecht. Ich schwor mir nie wieder eine Zigarette zu rauchen. Irgendwie kurierte er mich dadurch. Kurz danach sind wir dann zu den Eltern meines Stiefvaters gezogen. Unser Ziel war Delmenhorst, einer Stadt in der Nähe Bremens. Nun war alles neu für mich. Mein Stiefvater fand Arbeit als Busfahrer bei Hutfilter-Reisedienst. Meine Mutter arbeitete als Näherin in Heimarbeit bei der Firma Brunotte und nähte in Heimarbeit Tischdecken und Topfhandschuhe. Ich musste mir mal wieder neue Freunde suchen, was gar nicht so einfach war. Denn durch meinen schwäbischen Dialekt, hatte ich viele Probleme in der Schule. Ich wurde wegen meines schwäbischen, viel gehänselt. Schwierigkeiten bekam ich mit der Orientierungsstufe. Dort war der Leistungsdruck einfach zu stark für mich. In Schwenningen gab es damals so etwas noch nicht. Auch arbeiteten viele Mitschüler gegen mich. Jedoch einen Freund hatte ich gefunden. Andreas war sein Name. Auch seine Mutter wurde geschieden, wir hatten somit einige Gemeinsamkeiten. Mit ihm verbrachte ich viel meiner Zeit. Wir fuhren zum Angeln, oder spielten zusammen. Auch nahmen meine Eltern, wenn wir mal einen Tagesausflug machten, Andreas meistens mit, da seine Mutter nicht viel Zeit für ihn hatte.

 

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2.) Kapitel     - Die Jugend

 

 

Nach meinem 12. Geburtstag wurde plötzlich alles ganz anders in meinem Leben. Als ich einmal mein Mittagessen nicht aufessen wollte, wurde ich von meinem Stiefvater das erste Mal verprügelt. Ich hatte überall blaue Flecken. Zu meiner Mutter sagte er damals, ich sei die Treppe runter gefallen, was sie ihm ja auch glaubte. Damit ich meiner Mutter nicht die Wahrheit erzählte, drohte er mir, dass wenn ich etwas sagte, er uns beide vor die Tür setzen werde. Das konnte ich ihr natürlich nicht antun. Also schwieg ich. Auch fand ich bald heraus, dass er auch meine Mutter schlug. Ich wurde oft und kräftig verhauen. Manchmal reichten ihm nur Kleinigkeiten, damit er loslegen konnte. Einmal bekam ich soviel Schläge, dass ich durch die Wucht gegen einen Türrahmen gefallen war, und mir somit das Schlüsselbein gebrochen habe. Aus Angst meiner Mutter könnte das erfahren, nahm ich mein Fahrrad und fuhr die Straße herauf und herunter. Dann riss ich den Lenker herum, so dass ich stürzte. Der Unfall war perfekt. Nun konnte ich meiner Mutter erzählen, die Verletzungen kommen alle vom Sturz vom Fahrrad. So kamen dann auch noch weiter Beulen und Blessuren. Da ich auch in der Schule immer der Schwächere war, wurde ich auch dort verprügelt. Somit fiel der eine oder andere blaue Fleck nicht auf. Ein wenig Ruhe hatte ich eine gewisse Zeit, als mein Freund Andreas bei mir wohnte. Seine Mutter suchte gerade eine neue Wohnung und hatte sich bei ihren Eltern einquartiert. Andreas durfte bei mir wohnen. Meine Mutter bekam Kostgeld von seiner Mutter und ich hatte einen Bruder auf Zeit. Als Andreas jedoch wieder auszog, seine Mutter fand eine schöne drei Zimmer Wohnung, ging mit meinem Stiefvater alles wieder von vorne los. Ich wurde immer öfter geschlagen. Meine Mutter war einfach machtlos geworden. Um meinem Stiefvater imponieren zu können, wollte ich das gleiche erreichen wie er. Vielleicht hört er dann auf. Doch alle Versuche scheiterten an seiner Sturheit. Nach der Orientierungsstufe schaffte ich durch den Leistungsdruck und meiner Klassenkameraden, nur die Hauptschule. Weil ich auch, wie mein Stiefvater immer zu bemerken pflegte, einfach zu dumm war. Ich absolvierte dort die Klassen mit Ach und Krach. Weihnachten 1978 war ein Weihnachten, das sehr schön war. In der Familie war zurzeit alles kurzzeitig in Ordnung. Ich bekam von meinen Eltern ein Mofa geschenkt. Da ich in diesem Monat 15 Jahre wurde, und man damals noch keinen Führerschein dafür brauchte. Nur mit dem Lehrstoff hatte ich so meine Sorgen. Zur Nachhilfe in ein paar Fächern hatte ich eine Klassenkameradin, Erika, überreden können. Manches lag mir einfach nicht. In der Freizeit unternahm ich damals viel mit Andreas. Wir machten das Mofa schneller, und fuhren Rennen damit. Auch in der Hauptschule hatte ich Probleme mit meinen Klassenkameraden. Ich schaffte es einfach nicht integriert zu werden. Mit 16 Jahren machte ich den Führerschein der Klasse 6. Mit dem Wunsch damals, mir ein Kleinkraftrad zu kaufen. Doch schaffte ich es nicht, mein Taschengeld so zu sparen, dass ich mir eins leisten konnte. Jedoch schaffte ich 1979 den qualifizierten Hauptschulabschluss, und konnte nun die 10. Klasse der Hauptschule besuchen. Zwar auch nur mit Mühe und Not, aber ich erreichte den Abschluss der mittleren Reife. Ich hatte also nun einen Realschulabschluss. Den hatte mein Stiefvater aber nicht. Den hatte nur meine Mutter. Irgendwie schaffte ich es auch mit der Zeit sämtliche Gefühle und Empfindungen zu unterdrücken. Denn ich hatte gelernt, dass wenn ich keine Gefühle zeigte, es besser lief. Ich durfte auch nie weinen, weil das ein Mann nun mal nicht macht. Wenn ich mal sehr lachen musste, was ja auch selten vorkam, wurde ich von meinem Stiefvater gefragt ob ich etwas getrunken habe. Was sollte bloß diese Frage? Er selber trank jedoch oft genug einen über den Durst. Da musste immer meine Mutter herhalten, da sie sich meistens vor mich stellte, um mich zu schützen. Geklagt hat sie nie, jedoch habe ich es ihr oft angemerkt, wenn etwas nicht stimmte. Meine Oma, die Mutter meines Stiefvaters, hat mir öfters etwas Gutes getan, da sie auch etwas bemerkte. Ich war oft bei ihr, und wir unterhielten uns. Auch bekam ich dort zwischendurch von ihr ein paar Mark zugeschoben, mit denen ich mir etwas kaufen konnte. Wobei mein Opa, der Vater meines Stiefvaters, mit mir und meiner Mutter nicht richtig klarkam. Oft musste ich im Garten, wir hatten damals ungefähr 2500 m², Arbeiten verrichten. Darunter zählten auch Rasenmähen, Umgraben und sonst noch alles, was im Garten so anfiel. Mein Taschengeld musste ich mir manchmal hart erarbeiten. Nur konnte ich nie etwas richtig machen. Mal hatte ich zwei linke Hände, oder war einfach so zu blöd zum arbeiten. Wenn ich dann mal etwas richtig machte, wobei keiner meckern konnte, war es nur ein Zufall. Also glaubte ich auch irgendwie daran, was man mir sagte. Zwischenzeitlich kamen auch mal Verwandte zu Besuch. Mein Onkel Ewald, mit seiner Familie. Er machte viele Radtouren. Und unter anderem auch der Bruder meines leiblichen Vaters. Uwe Rebentisch hatte ein Wohnmobil, mit dem er und seine Familie Reisen unternahmen. Er war auch der einzigste Verwandte von der Seite meines Vaters, mit dem ich noch Kontakt hatte. Einmal kam er auch mit der schrecklichen Mitteilung, dass meine Cousine Kerstin, seine Tochter, an einer Überdosis Drogen gestorben sei. Auch mein Onkel, der Bruder meiner Mutter besuchte uns manchmal. Sonst waren meine Mutter und ich auf uns alleine gestellt. Meine Mutter kam bei meinem Opa auch nie gut weg. Er hatte auch an ihr immer etwas auszusetzen. Mit 17 Jahren dann, als ich die Schule mit einem Realschulabschluss, beendet hatte, fing ich eine Lehre als LKW-Schlosser bei einer Magirus-Deutz Vertragswerkstatt in Delmenhorst an. Eigentlich wollte ich einmal Koch werden. Ich hatte auch schon in Delmenhorst bei Hotel-Thomsen während der 9. Klasse ein Praktikum absolviert. Doch die Berufswahl Koch ist nichts für mich, musste ich mir von meinem Stiefvater erklären lassen. Man verdient nichts, und ist nichts. Und Aufstiegschancen gibt es keine. Ich musste damals in den Wochen des Praktikums auch fast nur Kartoffeln schälen und andere Hilfsarbeiten machen. Also glaubte ich schließlich dass dieser Beruf nicht so das pralle ist, was ich mir vorstellte. Also machte ich schon während der 10. Klasse ein Praktikum bei Rowedder einer LKW-Werkstatt. Dort fragte man mich auch, ob ich nach dem Schulabschluss dort meine Lehre anfangen wollte. Ich tat es. Dadurch brauchte ich nie eine Bewerbung zu schreiben. Zufällig war mein Stiefvater in der Zeit LKW-Fahrer und fuhr einen großen Tanklastzug, der dort instand gehalten wurde. Vielleicht hatte er auch mitgeholfen. Jedenfalls wusste ich nichts davon. Auch in der Lehre hatte ich so meine Probleme mit Kollegen. Hier war ich mal wieder das schwarze Schaf. Gehänselt wurde ich des Öfteren, denn hier war immer noch der schwächste. Ansonsten lernte ich viel.

 

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3.) Kapitel     - Volljährigkeit

 

 

Mit 18 durfte ich dann auch den Führerschein machen. Natürlich Auto und Motorrad, so wie ihn mein Stiefvater besaß. Meine Mutter steckte mir einiges zum Führerschein dazu, doch durfte mein Stiefvater nichts mitkriegen. Denn man kann sich nur das kaufen, was man sich auch erarbeitet hat. So seine Devise. Doch schaffte ich es irgendwie mir von meinem Lehrlingsgehalt, das zwar nicht das meiste war, Ich bekam damals 295 Mark im Monat, mein erstes eigenes Auto zu kaufen. Ich war auch irgendwie stolz auf mich. Das Auto kostete damals nur 500 Mark. Doch ich bekam das Geld auf irgendeiner Art immer zusammen. Selbst als ich schon 18 war musste ich abends um zehn Uhr zu Hause sein. Kam ich später, so steckte der Haustürschlüssel von innen und ich kam somit nicht ins Haus. Also blieb ich über Nacht im Auto. Zu meinem Freund Andreas konnte ich nicht immer. Wenn meine Mutter das mitbekam ließ sie mich herein. Sie musste das dann natürlich wieder ausbaden. Und bei mir wurde einfach mal das Kostgeld um ein paar Mark erhöht. Man gewöhnt sich an alles. Nie Gefühle zeigen, und immer brav machen, was man dir sagt. So bin ich immer am besten gefahren. Als ich 19 Jahre alt war, lernte ich Sabine, meine große Liebe. kennen. Eigentlich kannte ich sie schon früher. Damals war ich noch 18 und fuhr einen alten OPEL-Rekord 1700. Ich war manchmal bei Erika, der alten Klassenkameradin, zum Kartenspielen eingeladen. Doch Sabine war auch die Freundin von Erika. So trafen wir uns beim SKAT spielen zum ersten Mal. Dann 1982 hat es bei mir gefunkt. Sie hatte lange, dunkelblonde Haare und sie hatte eine Ausstrahlung die mich einfach faszinierte. So richtig funkte es bei uns im Kino. Wir, Erika, Sabine und ich, waren im Kino. Dem Lichtspielhaus in Delmenhorst. Ich glaube auch Erika wollte uns von Anfang an zusammenbringen. Es war der 26. September 1982. Ein schöner Tag um ins Kino zu gehen. Da passierte es mit mir. Nichts war mehr so wie früher. Ich war endlich mal wieder glücklich. Es war ein schönes Gefühl. Doch irgendwie konnte ich es nicht zeigen. Wie auch, ich hatte es einfach verlernt. Für mich war es ganz normal, dass Gefühle nicht gezeigt werden durften. Doch in kleinen Mengen gelang es mir. Das reichte schließlich aus. Wir waren zusammen. In der Arbeit war ich so verliebt, dass ich mir einmal den Hammer auf den Finger schlug weil ich in Gedanken  ganz woanders war. In Gedanken war ich bei ihr. Nur mein Stiefvater erklärte mir, dass diese Frau nichts für mich sei. Doch hier machte ich ihm einen Strich durch seine Rechnung. Ich tat etwas gegen seine Natur. Ich widersprach ihm. Das passte ihm nicht. Ich war wie verwandelt. Ich hätte damals vielleicht auf meine Eltern hören sollen, doch ich hatte einfach „Schmetterlinge im Bauch“. Auf irgendeine Art schleppte ich mich durch die Lehrzeit, in der ich auch des Öfteren Probleme bekam. Eines hätte beinahe meine Lehre beendet, doch mein Stiefvater renkte das wieder ein. Wahrscheinlich hatte ich damals schon Depressionen auf einer Art, die ich als solche nicht erkannte. In der Berufsschule hatte ich gute Noten. Ich war voller Elan. Mein Stiefvater offenbarte mir, dass ich trotzdem nie einen guten Gesellenbrief schaffte. Er sollte sich irren. Im August 1983 machte ich meinen Gesellenbrief. Praktische Prüfung eine zwei, und theoretische eine zwei. Ich freute mich ganz toll. Auch Sabine gefiel es, dass ich es geschafft hatte. Das erste Mal sah ich stolze Eltern. Doch leider konnte ich in der Firma nicht übernommen werden. Fast alle Lehrlinge bekamen vor der Gesellenprüfung ein Schreiben, dass mit erfolgreichem Abschluss das Beschäftigungs-Verhältnis automatisch endet. Unseren ersten gemeinsamen Urlaub unternahmen wir nach Eckwaderhörde am Jadebusen. Wir fuhren mit ihrem DAF dorthin und zelteten. Da die Wehrdienstzeit sowieso näher rückte, meldete ich mich freiwillig. Auch jetzt wollte ich nur das Beste und schickte meine Bewerbung nach Wilhelmshaven zur Marine. In Bremen wurde ich dann gemustert. Mit eins. Ich war also nun bei der Marine angenommen. In Wilhelmshaven musste ich dann nur noch eine Prüfung bestehen. Im Januar 1984 trat ich dann in Kappeln/Schlei  den Wehrdienst zur Grundausbildung zum Überwasserwaffenmechaniker an. Es wurde eine Probe für unsere Liebe. Sabine fuhr mich sonntagabends zum Bahnhof da ich bis 23:00h in der Kaserne in Kappeln/Schlei sein musste. Der Abschied fiel mir immer schwer.  Jedes Wochenende, das ich mit ihr verbringen konnte, war für mich wie ein Feiertag.

Da ich in der ersten Ausbildungszeit von 3 Monaten auf ein 76mm Geschütz der Fregattenklasse 122 geschult wurde, die ich mit zwei bestand, hätte ich auf ein Schiff gemusst. Ob das unsere Liebe ausgehalten hätte? Außerdem wollte ich ja schließlich Zeitsoldat werden, und in diesem Bereich gab es keine Planstellen. Also machte ich eine zweite Grundausbildung, diesmal auf ein 40mm Flugabwehrgeschütz. In dieser Zeit bekam ich schon eine Planstelle und wurde zum Zeitsoldaten ernannt. Wieder waren meine Eltern stolz auf mich. Sabine hatten sie langsam akzeptiert und nahmen sie auch zu meiner Vereidigung mit. Nach der auch diesmal wieder mit zwei bestandenen Grundausbildung, trat ich den Dienst beim Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ in Nordholz an. Hier war ich im 3. Zug der Flugabwehrstaffel tätig. Dort konnte ich aber bald durch meine guten Kenntnisse für LKWs, diese zogen die Geschütze, zur Schirrmeisterei wechseln. Zum Glück war Nordholz, das lag zwischen Bremerhaven und Cuxhaven, nahe Delmenhorst, und Sabine gab mir dann ihr Auto, einen DAF 44 mit Variomatic, zum Dienstantritt mit. So konnte ich Heimschläfer werden. Wir bezogen nun auch unsere erste gemeinsame Wohnung. Im Haus ihrer Oma war eine frei geworden. Es waren zwei Zimmer mit Bad und Küche. Wir hatten zwar nur knapp 40 m², doch das reichte uns. Wir lebten wie ein richtiges Paar. Die Einrichtung hatten wir uns schon vor dem Einzug besorgt. Meine Mutter half uns bei der Renovierung wo es nur ging. Bald war die Wohnung fertig gestellt. Im September 1984 starb mein Opa, der Vater meiner Mutter, bei einer routinemäßigen Herzkatheder-Untersuchung. Meine Mutter fuhr alleine zu Beerdigung nach Schwenningen, da ich von der Bundeswehr nicht freibekam. Durch mein Sold, den ich bekam finanzierte ich mir dann wieder ein eigenes Auto. Einen VW Passat, mit dem ich dann zum Dienst fuhr. Im Geschwader bewarb ich mich dann auf eine Stelle in der Registratur im Geschwaderstab, die ich auch bekam. Alles lief gut, und ich dachte damals ich hätte ausgesorgt. Als Zeitsoldat verdiente ich gutes Geld. Sabine und ich verlobten uns 1984. Bald bewarb ich mich sogar auf eine Stelle beim Marinedienst in Bremen. Ich wollte Sabine noch näher sein. Außerdem war dann die Fahrzeit nicht so lang. Doch dann passierte in meinem Leben etwas Entscheidendes. Alles fing harmlos an. Wir hatten einen Kameradschafts-Abend in einer Cuxhavener Disco geplant. Es sollte auch eine Verlosung geben. Der erste Preis war ein Videorekorder. Was ich damals nicht wusste, es war von vornherein ein abgekartetes Spiel gegen mich. Da ich von meinen Vorgesetzten gelobt wurde und auch viel Fleiß zeigte, wurde ich bald zum Schleimer abgestempelt. Ich sollte sogar schon zum Hauptgefreiten befördert werden, und eine Zeitverlängerung stand auch schon im Gespräch. Der Unteroffizierslehrgang, bei der Marine hieß er Maatenlehrgang, sollte besucht werden. Doch das passte einigen Kameraden nicht, die schon länger im Dienst waren vor mir. Doch das alles merkte ich nicht. Also feierte ich fleißig mit, und nahm auch an der Verlosung teil. Da gewann ich plötzlich den Videorekorder. Doch einer der Kameraden hatte den neunen, noch eingepackten, kurz zuvor gekauften staffeleigenen Videorekorder entwendet, und ihn in die Disco gebracht. Man übergab ihn mir stolz. In meiner Freude gab ich noch einen aus und bemerkte nichts von dem falschen Spiel. Abends packte ich ihn dann in meinen VW Passat, den ich mir kurz zuvor kaufte. Am nächsten Tag stand bei der morgendlichen Musterung die KRIPO dabei und verkündete eine groß angelegte Durchsuchung aller Zimmer und Fahrzeuge. Ich wusste ja nicht worum es geht. Natürlich wurde der Rekorder bei mir im Fahrzeug gefunden. Doch keiner glaubte mir meine so Abenteuerliche Geschichte. Auch nicht meine angeblichen Kameraden. Für Sabine war es auch eine schwere Zeit, jedoch hielt sie zu mir. Vom Gericht wurde ich zu 1000 DM verurteilt und bekam die Zusicherung, dass es keinen Eintrag in das Zentralregister geben wird. Ich konnte die Strafe in Raten abbezahlen. Natürlich wurde ich von der Bundeswehr unehrenhaft entlassen. Da bekam ich einen Nerven-Zusammenbruch. Von der Bundeswehr wurde ich nach Bremerhaven zu einem Psychologen gebracht, der mich untersuchte. Der gab mir dann ein Begleitschreiben für den Arzt mit. In meiner Neugier öffnete ich den Brief zu Hause, und Sabine und ich lasen geschockt, was darin stand. „Gespaltene Persönlichkeit!“ Dies war nur ein anderes Wort für Schizophren. Nun fiel die Welt aus den Angeln. Ich sollte geisteskrank sein? Nein, das war ich nicht. In mir stieg ein Zorn gegen Psychologen. Es baute sich eine Abwehrmauer gegen alles was mit Psychologie beschäftigt auf.

Doch ich musste zurück ins Berufsleben. Glücklicherweise fand ich bald eine Stelle als LKW-Mechaniker im Bremer Fahrzeugwerk BUNGE. Doch hier fehlte mir etwas, dass ich nie gelernt hatte. Selbstständiges Arbeiten! Was war das? Zu Hause war und durfte ich nie richtig selbstständig arbeiten oder denken. Als ich dann mit Sabine zusammenzog, übernahm sie alle Formalitäten, da sie als Beamte sich damit auskannte. Doch selbstständiges Arbeiten konnte ich nicht. Ich war überfordert. Also wechselte ich bald die Stelle wieder. Nach Delmenhorst in ein VAG-Autohaus. Dort war ich in der Gebrauchtwagen-Abteilung tätig. Hier brauchte ich nicht selbstständig arbeiten. Das gefiel mir. Doch leider verdiente ich mit 1000 DM nicht viel. Trotzdem konnte ich mir ein neues Fahrzeug zulegen. Einen Audi 80. Den machte ich mir damals sehr sportlich zurecht. Meinen Passat übernahm Sabine. Ich hatte eigentlich einen ruhigen Job, doch das war für mich nicht der Traumberuf. Jetzt wollte ich LKW-Fahrer, wie es auch mein Vater war, werden. 1986 machte den Führerschein der Klasse zwei. Auch hierzu bekam ich von meiner Mutter einen Zuschuss. Jetzt trat ich eine Stelle als Getränke-Auslieferungsfahrer an. Sabine erzählte mir zum ersten Mal von meinen zwischenzeitlichen Ausrastern. Einmal habe ich wohl zitternd im Schuppen hinter dem Haus gelegen. Daran kann ich mich jedoch nicht erinnern. Ich habe nie etwas davon bemerkt. Hab es wohl einfach irgendwie verdrängt. Damals sagte Sabine zu mir, dass mit mir wohl etwas nicht stimmt. Ich solle mal zum Psychologen gehen. Doch das ging auf keinen Fall. Hier schlug meine innere Abwehr zu, und erklärte ihr, dass mit mir alles in Ordnung sei, und dadurch mich nicht untersuchen lassen musste. So habe ich oftmals meine Arbeitsstelle gewechselt, sobald irgendwelche Probleme auftraten. Ich war oft ablehnend gegen meine Chefs und wurde dann entlassen. Ich war schließlich ein Meister des davonlaufen von Problemen geworden. Kam ich irgendwie in Stress, rastete ich aus, und richtete meine Wut immer gegen Sabine. Als ich nämlich wohl das erste Mal gegen sie wütend wurde, hat sie es einfach hingenommen. Somit lief in meinem Geist immer wieder ein automatisches Programm ab. Hatte ich Ärger, und mein Stressfass lief über, so konnte ich es ja an Sabine auslassen. Direkt bemerkt habe ich das nie. Es war einfach normal. In der Außenwelt war ich immer beliebt und hilfsbereit. Alle erzählten nur Gutes über mich, und nur Sabine alleine kannte die private Wahrheit über mich, die ich selber nie wahrhaben wollte und konnte. Manche Bekannte bekamen auch mal meine kleinen Attacken von mir mit. Einmal, wir waren an einem See zum Baden, schmiss ich Sabines Schuhe ins Wasser, da ein Radio, das wir mitgenommen hatten, zu laut war. Man erzähle mir danach, was ich getan hatte, doch glauben konnte ich es nicht, da ich mich an nichts erinnerte. Ich konnte auch niemanden die Hilfe verwehren, um die man mich bat. Sogar nicht gegen meinen Stiefvater, gegen den ich manchmal einen richtigen Hass entwickelt hatte, da ich immer alles falsch machte. Sabine musste mich immer auffordern, meine Eltern zu besuchen. Zum Glück war da ja noch meine Mutter, die mich liebte, und die ich dann besuchen wollte. Sie hielt auch in schlimmen Zeiten immer zu mir. Doch konnte sie mir nicht immer helfen, so gern sie es auch wollte. Also lenkte ich auf die Besuche ein. Bald bezogen wir auch eine größere Wohnung, da im Nachbarhaus, das dem Onkel von Sabine gehörte, eine frei wurde. Jetzt hatten wir geräumige 3 Zimmer Wohnung und einen Kellerraum. Doch meine Probleme mit den Ausrastern  änderten sich nicht. Immer wieder erzählte mir Sabine davon, doch glauben konnte und wollte ich es nicht. Ich wusste schließlich auch von nichts. Ich nahm es einfach so hin, wie es kam. Schließlich fehlte mir doch nichts. Ich fühlte mich einfach gesund. Mittlerweile waren auch meine Oma und mein Opa, die Eltern meines Stiefvaters gestorben. Meine Oma starb an einem Herzinfarkt, mein Opa an einer geplatzten Bauchschlagader. Meine Oma aus Schwenningen wurde nach Delmenhorst geholt, da es für sie alleine im Haus immer schlechter ging. Sie bekam mein altes Jugendzimmer. 1991 wurde ich plötzlich Rückenkrank. Ich konnte meine letzte Tätigkeit nicht mehr ausführen. Zu dem Zeitpunkt war ich Fahrer bei Bier-Klein in Bremen, einem Getränkegroßhandel. Während der Krankheit, die andauerte, machte ich meinen Personen-Beförderungsschein, oder auch Busschein genannt. Denn wie sollte es auch anders sein, mein Stiefvater hatte auch einen. Er war auch schon früher einmal im Personenverkehr tätig. So musste ich auch einen besitzen. Schließlich durfte ich ihm nichts nachstehen.

Sabine und ich machten fast regelmäßig Urlaub. Wir verbrachten viele Zeit in einer Pension auf der Insel Fehmarn. Einmal reisten wir sogar nach Kreta. Einer griechischen Insel im Mittelmeer. Dort dachten wir, dass es ein schlechter Urlaub wird. Schon bei der Ankunft war alles verregnet. Wir liehen uns ein Auto, und erforschten so die ganze Insel. Somit wurde er doch noch ganz gut leistete mir auch meinen ersten Neuwagen durch Leasing. Einen OPEL Vectra 1,8. Leider wurde er mir bald direkt vor der Haustür zu Schrott gefahren. Er stand auf dem Parkstreifen, als ein Kleinlaster in ihn hinein fuhr. Danach kam ein OPEL Ascona. Der von dem Geld bezahlt wurde, was aus dem Verkauf des Vectras übrig blieb. In der Zwischenzeit bekam ich eine Stelle bei einer Firma, die mich an die Deutsche Airbus in Lemwerder auslieh. Hier war ich in der Fahrbereitschaft tätig. Mein Aufgabenbereich bestand darin, Flugzeuge vom Rollfeld in die Werkshallen zu rangieren und andere Fahrtätigkeiten wie zum Beispiel mit einem Elektrofahrzeug, Flugzeugteile von einer Halle zur anderen zu befördern. Wie Tragflächen oder ähnliches. Doch als der große Umbruch in Lemwerder kam wurde ich, wie viele andere, nicht mehr benötigt. Im Frühjahr 1994 kam ich dann zur Kur nach Bad Schwalbach. Es war die Montanus-Klinik der LVA Oldenburg. Ich war wieder 3 Wochen von Sabine getrennt, und dachte schon bei der Rückkehr, dass ich nicht länger mit ihr zusammen sein konnte. Ich hatte auch eine Frau kennen gelernt, mit der ich sehr viel sprach. Wir führten teilweise nächtelang Gespräche über die guten und schlechten Seiten einer Beziehung. Auch spürte ich, dass sie mehr wollte als nur reden. Aber ich wollte Sabine treu bleiben und wehrte mich dagegen. Außerdem war sie verheiratet, acht Jahre älter als ich und hatte einen Sohn. Jedoch brachten mich so manche Unterhaltungen zu so manchen Überlegungen, über meine eigene Beziehung mit Sabine. Irgendwie spürte ich in mir etwas, das mir sagte ich habe sie nicht verdient. Ich fuhr sogar einmal nach Bremerhaven, da wohnte sie, und sprach mit ihr darüber. Sie riet mir damals mich von Sabine zu trennen. Fast zu spät erkannte ich ihre Absichten. Sie selbst war damals in einer Trennung von ihrem Mann, und wollte mit mir eine anfangen. Empfindungen und Gefühle für sie hatte ich nicht. Dies erzählte ich auch, was sie nicht verstehen konnte. Ich konnte mich einfach nicht so von Sabine trennen. Ich liebte sie viel zu sehr. Doch wiederum zeigte ich es nicht. In Gesprächen mit Ärzten und Sozial-Arbeiter der Klinik erreichte ich, dass sobald ich eine Stelle als Busfahrer bekam, eine Eingliederungshilfe der LVA bekam. Dies bestand darin, dass die LVA 7 Monate 80% meines Gehaltes zu bezahlen wollte. Dies war eine gute Voraussetzung einen Job zu bekommen. Bald fing ich dann in Delmenhorst, bei Büsing-Reisen als Busfahrer an. Hier war ich sowohl im Linien-, Gelegenheits- als auch im Reiseverkehr tätig. Es war ein guter Einstieg in meinen neuen Beruf. Meistens fuhr ich Linienwerksverkehr für das Mercedes-Benz Werk in Bremen. Hier brachte ich die Werksangestellten von Hude oder Delmenhorst zur Arbeit und wieder nach Hause. Gefahren wurde dort in drei Schichten. Die schlimmste war die Nachtschicht, sie fing abends um 21:00h an und endete morgens um 8:00h. Auch im Reiseverkehr lernte ich etwas. Lublin in Polen und die Normandie in Frankreich gehörten zu meinen Reisezielen. Auch kleine innerdeutsche Kurzreisen machte ich. Eigentlich alles ganz lehrreich für den Anfang in diesem Beruf. Und außerdem war der Chef in Ordnung.

 

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4.) Kapitel     - Erwachsensein

 

 

Der 11. November 1994 war mein glücklichster Tag. Sabine und ich wurden getraut. Ich liebte sie auch wahnsinnig. Doch warum noch mal, konnte ich es ihr nie zeigen? Wahrscheinlich lebte ich in einer Art Traumwelt in der alles in Ordnung war, und sich nichts ändern brauchte. Alles war so normal, denn Gefühl zeigen hatte ich ja mittlerweile vollkommen verlernt. Ich hatte ihr auch vor der Hochzeit versprochen, mich zu ändern. Das tat ich auch irgendwie. Wir machten unsere Hochzeitsreise nach Lanzarote an die Costa Teguise. Es war eine schöne Reise. Sabine hatte das Ziel, wie immer, ausgesucht. Eigentlich hatte sie alle unsere Reiseziele ausgesucht, die wir besuchten. Mir fehlte immer Entschlossenheit. Mit meinen Schwiegereltern kam ich eigentlich ganz gut aus. Mit meiner Schwiegermutter hatte ich eigentlich das beste Verhältnis, da sie immer zu mir gehalten hatte. Das erste Jahr verging mit Höhen und Tiefen. Alt, wollte ich mit Sabine werden. Dem stand nichts in Wege. 1995 wechselte ich zu Hutfilters Reisedienst, einem Busunternehmen in Delmenhorst, da es mit meiner alten Firma immer öfter Ärger mit der Bezahlung gab. Hier herrschte ein wunderbares Betriebsklima. Alles machte mir Spaß. Wir wollten auch Kinder haben, jedoch waren für uns wohl keine bestimmt. Sabine hatte damals zwei Fehlgeburten. Es machte sie ziemlich traurig. Wir hätten es uns beide so gewünscht. Sogar in Bremen bei Spezialärzten waren wir gewesen, doch nichts funktionierte. Lag es an ihr, oder an mir? Bei solchen Folgerungen kam ich, durch meine Gedanken, letztlich dazu, dass die Schuld nur bei mir zu finden war. Auch wenn sie eigentlich immer zu mir sagte, es sei nicht so. Immerhin hatte sich meine Mutter so gern ein Enkelkind gewünscht. Doch es sollte ihr verwehrt bleiben. Das Verspechen, mich zu bessern hatte ich auch bald abgelegt. Als dann 1995, zwei Tage nach meinem Geburtstag, meine Mutter an Krebs starb war ich vollkommen fertig. Ich hatte sie auf einmal so sehr vermisst, da ich sie sehr liebte. Doch Sabine war bei mir, und tröstete mich. So steckte ich die Liebe zu meiner Mutter, in die von Sabine. Jetzt war sie nur noch der einzigste Mensch auf der Welt, der mich liebte und mochte. Zum Glück hatte ich meine Arbeit, die mich ablenkte. Wir flogen auch im Urlaub nach Florida. Nach Miami-Beach. Eine Traumreise für manchen. Es waren schöne Tage, die wir erlebten. Wir besuchten die Everglades und das Universal-Studio. Wir erlebten auch in Miami einen Tornado hautnah. Nach 14 Tagen flogen wir dann wieder zurück, und der Arbeitsalltag nahm seinen gewohnten Gang. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich  mir Ärger mit der Firma einhandelte. Im Nachhinein wusste ich eigentlich gar nicht so recht was passiert war. Ich hatte irgendwie einen Blackout gehabt. Davon habe ich Sabine nie etwas erzählt. Denn irgendwie nahm ich alles so hin, und sagte mir nur, dass ich selber Schuld war. 1997 fing ich dann als Linienbusfahrer beim Reisedienst Wissgott in Wüsting bei Hude an. Hier fuhr ich in Oldenburg einen Linienbus. Gefahren wurde in zwei Schichten. Die Frühschicht fing um 5:00h an und endete um 15:00h. Die Spätschicht ging von 14:00h bis 0:00h. Das schlimmste war der lange Arbeitsweg. Am 20. September 1997, wir waren gerade auf dem Geburtstag meines Schwagers, der Mann von Sabine ihrer Schwester bekam ich plötzlich Nierenschmerzen. Sabine fuhr mich ins Krankenhaus, in dem ein Nierenstein entdeckt wurde. Auch sollte eine Nierenbeckenplastik gemacht werden, da es Probleme mit dem Harnleiter gab. Alles sollte, wie von den Ärzten, im Vorfeld erklärten, eine Routineoperation werden. Doch es gab größere als geplant. Die Operation dauerte schließlich 9 Stunden. Zu Sabine sagte man damals, dass sie mich nach etwa 2-3 Stunden besuchen könne. Doch als sie mich dann das erste Mal besuchen wollte, lag ich noch auf dem OP-Tisch. Sie konnte mich dann erst sät am Abend auf der Intensiv-Station sehen. Ich muss schlimm ausgesehen haben. Denn zu der Zeit wurde ich noch künstlich beatmet, da die Operation ihre Spuren bei mir hinterlassen hatte. Ich fand später auch heraus, da ich zufällig Einsicht in mein OP-Protokoll bekam, dass ich während der OP einen Herzstillstand hatte. Auch das ging mir nahe. Während meiner Genesung kam Sabine auch immer zu mir. Sie gab mir soviel Liebe und Kraft die ich brauchte um das alles durchzustehen. Denn die Liebe machte mich wieder gesund. Nur zurückgegeben hatte ich ihr nichts als  seelische Grausamkeit. Sabines Geburtstag feierten wir in der Cafeteria des Krankenhauses, denn da lag ich noch. Nun war ich wieder mal eine längere Zeit krank, da es immer wieder Probleme mit meiner Gesundheit gab. Die Lohnfortzahlung von 6 Wochen, war abgelaufen, und ich bezog Krankengeld. Ich war zu Hause. Sabines Oma, mütterlicher Seite starb am Sylvestertag 1998. Wir waren alle völlig fertig. Auch mich hat das sehr stark mitgenommen, da sie immer sehr gut zu mir war. Wie eine richtige Oma aus meiner Familie war sie geworden. Sie war immer so nett und hilfsbereit. Von ihr kam auch einmal der Satz: „Keiner hat gesagt, dass das Leben einfach ist“. Ein erfülltes Leben hatte sie trotzdem gehabt. Im Jahr 2000 kauften wir aus dem Erbe, das der Onkel von Sabine erwarb, 650 m² Grundstück ab und bauten darauf unser Traumhaus. Sabine war perfekt in den Finanzierungsahngelegenheiten. Alles schien, für die Zukunft gesichert zu sein. Im Dezember 2000 zogen wir in unsere eigene vier Wänden. Der nächste Schlag kam am 2. April 2001. Ich bekam im Bus, während der Arbeit einen Vorderwand-Herzinfarkt. Ich musste 2 Wochen auf der Intensiv-Station im Klinikum Oldenburg verbringen. Sabine hat mich dort oft besucht, auch wenn der Anfahrtsweg lang war. Sie liebte mich. So musste es sein. Danach ging ich in die REHA-Klinik, die genau gegenüber dem Klinikums war. Hier verbrachte ich drei Wochen, und wurde körperlich wieder in Schwung gebracht. Während der Ostertage bekam ich eine Beurlaubung nach Hause. Sabine kümmerte sich um mich. Als ich dann entlassen wurde wusste ich erst einmal nicht was ich mit der Zeit anstellen sollte. Schließlich war ich arbeitsunfähig geschrieben worden. Auch musste ich mehr Pausen einlegen wie früher. Nach 6 Wochen lief die Lohnfortzahlung aus, und ich bekam nur noch Krankengeld. Ich versuchte zu Hause den Haushalt zu erledigen. Mein neuer Job war der des Hausmanns. Doch meine Ausraster, wie ich sie immer noch nenne, wurden vielleicht noch stärker. Einmal habe ich sogar dabei die Badezimmertür beschädigt. Warum ich das tat, und was der Auslöser war ist mir heute noch unbekannt. Im Herbst dann wieder ein Schicksals-Schlag. Ich hatte das Essen schon vorbereitet als Sabine anrief, sie stehe im Stau, und kaufe eben noch bei real in Stuhr ein. Kurze Zeit später klingelte das Telefon, und eine Dame der Information des real-Marktes sagte mir, dass meine Frau gestürzt sei, und nun mit dem Krankenwagen nach Delmenhorst in die Städtischen Kliniken gebracht werde. Die Diagnose war erschütternd. Trümmerbruch im linken Schienbein. Als ich sie dann am nächsten Tag besuchte, sah sie von der Operation sehr mitgenommen aus. Man hatte ihr eine Platte mit Schrauben eingesetzt. Auch Schmerzen hatte sie oft. Doch irgendwie konnte ich kein Mitleid zeigen, da ich gelernt hatte selbst keines haben zu wollen, und somit es anderen auch nicht zu zeigen. Sie tat mir leid, jedoch konnte ich ihr gegenüber keinerlei Gefühle zeigen. Wo waren sie nur? Als sie dann entlassen wurde konnte sie kaum noch laufen. Sie hatte immer Schmerzen. Es stellte sich bald heraus, dass sie gegen das Metall im Bein allergisch reagierte. Also nahm man es nach einiger Zeit wieder heraus. Das sollte sich als Fehler herausstellen. Den die Schmerzen wurden wieder stärker, und im Krankenhaus musste man Feststellen, das das Bein wieder gebrochen war. Also musste sie wieder operiert werden. Man setzte ihr diesmal einen Nagel ins Mark. Langsam wurde alles zu viel für mich. Sie sagte auch kurz vorher, dass sie glaubte, dass das Bein gebrochen ist. Doch ich habe irgendwie merken lassen das ich ihr nicht glaubte. Vielleicht habe ich das gesagt, und weiß davon nur nichts. Nun starb auch meine Oma, mütterlicher Seite. Sie schlief kurz nach dem Mittagessen friedlich ein. Sie hatte ein ruhiges Ende. Solch einen Tod wünsche ich mir auch einmal. Nun war auch der letzte aus meiner direkten Verwandtschaft verstorben. Somit war ich der letzte Zweig in unserem Stammbaum. Irgendwann, bei den ganzen Krankenhaus Aufenthalte muss sie dann jemanden kennen gelernt haben, der zuhören konnte und etwas besaß, das Sabine an mir sehr vermisste. Was es genau war weiß ich nicht. Ich kann das heute nur noch vermuten. Er hatte jedenfalls somit Gefühle in ihr geweckt, die sie bei mir nicht fand. Doch merkte ich ihr auch nach der dritten Entlassung nichts an. Wir waren nun beide wegen Krankheit zu Hause. Vielleicht hat das unserer Beziehung zusätzlich noch geschadet, da wir den ganzen Tag zusammen im Haus waren. Ich habe mich wahrscheinlich zu wenig um sie gekümmert. Denn vieles der Zeit habe ich mit anderen verbracht. Mit meinen Freunden oder Bekannten. Darunter zählte auch mein Schwager, ihr Bruder. Mit ihm saß ich teilweise Stundenlang vor dem Computer und machten Spiele.

Da war dann Sabine immer alleine. Sie lag im Bett um sich das Bein zu schonen. Nur ich war nicht für sie da. Alles schien in Ordnung zu sein. Sie hat ja auch nie etwas zu mir gesagt, oder konnte das von ihr gesagte nicht umsetzen. Mein Gehirn setzte in diesem Augenblick wohl aus. Wir machten Pläne für den Garten im nächsten Jahr. Alles wollten wir schön gestalten. Nur eines konnte ich nicht voraus planen. Ich konnte ihre Sehnsüchte nicht erkennen, da ich ja mit Gefühlen nicht richtig umgehen konnte und vielleicht auch nicht wollte. Ich hatte im innersten wohl einfach von ihr Besitz genommen, doch spürte ich nicht was in ihr vorging. Ich konnte die Signale einfach nicht erkennen.

 

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5.) Kapitel     - Der Weltuntergang

 

 

Der Schock kam für mich wie ein Blitzschlag. Nachdem ich mal wieder einer meiner Wutanfälle hatte, gab sie mir die Trennung zu verstehen. Es war der 8. August 2002. Alles fing damit an, dass ich eines Abends wieder mal nicht schlafen konnte, daran kann ich mich noch erinnern, dann kam jedoch etwas in mir durch das ich nicht verstand. Sie wollte an diesem Abend das Haus verlassen, da es ihr einfach zu viel wurde. Ich rannte ihr nach, war sehr aufgeregt. Gerufen hatte ich sie, sie solle zurückkommen, doch sie lief auf der Straße einfach weiter. Sie erzählte mir auch später davon, dass ich mich wohl vor ein Auto werfen wollte. Da reagierte mal wieder mein Körper und ich bekam kurzfristig keine Luft mehr und brach zusammen. Sie schaffte es jedoch mich wieder ins Haus zu bekommen. Doch das konnte ich nicht wahrhaben. Mein Kopf verstand es das zu verdrängen. Zwei Tage später bekam ich einen Herzanfall, und Sabine musste den Notarzt holen, der mich ins Krankenhaus in Delmenhorst brachte. Die überwiesen mich nach Oldenburg ins Klinikum, wo dann schwere Herz-Rhythmus-Störungen diagnostiziert wurden. Ich sollte dort einen Defibrillator implantiert bekommen. Am 28. August 02 hatte ich dann die Operation. Als ich dann wieder nach Hause kam, war irgendwie alles wie vorher. Umso größer war der Schock für mich als Sabine mir dann offenbarte, dass sie mich nicht mehr liebte, und sich somit erst einmal von mir trennen wollte. Außerdem gestand sie mir, dass sie Gefühle für einen anderen empfinde. Mein Weltbild war komplett zerstört. Was war passiert? Was hatte ich falsch gemacht? Hatte sie mir irgendwelche Zeichen gegeben, die ich nicht verstand? Eine Liebe kann doch nicht von einem auf den anderen Tag verloren gehen? Ich meine sie muss doch wie eine Kurve langsam abwärts gehen. Sie hatte nie etwas in der Art zu mir gesagt. Vielleicht hat sie es ja, doch auf einer Weise, die ich nicht verstand oder nicht verstehen wollte. Irgendwie war ich mir zu diesem Zeitpunkt keiner Schuld bewusst. Und dann sollte da noch ein anderer sein. Ich wollte einfach nicht mehr leben. Zwei Tage später dann war ich so tief unten, dass ich in meiner Not, die Telefonseelsorge anrief. Und mit einmal konnte ich über meine Probleme mit Fremden reden. Ich merkte, dass mit mir etwas passiert, was ich nicht zuordnen konnte. Also ging ich zum Psychologen. Sabine sprach ich zu, nach Borkum, zu ihrer Freundin zu fahren, um auf andere Gedanken zu kommen. Doch im inneren wollte ich mit mir Schluss machen. Das bemerkte ich fast zu spät. Am 26. Oktober 2002 sollte der 20. Jahrestag sein, an dem wir uns kennen gelernt haben. Es war ein schlimmer Tag. Ich hatte schon im vornhinein Vorkehrungen getroffen, damit es in allen Zeitungen stand. Erst später wurde ich von Sabine aufgeklärt, dass ich alles erst einen Tag zuvor erledigte. In mir selber meinte ich es wäre schon viel früher gewesen. Doch ich hatte es in der Aufregung vergessen, oder wollte es einfach. Als dann die Nachbarn auf mich zukamen, um zu gratulieren stand ich in Flammen. In meiner Verzweiflung rief ich noch Sabine an, doch die konnte mir nun nicht mehr helfen. Und außerdem brachte ich im Weinkrampf keinen richtigen Satz heraus. Also legte ich auf. Ich weiß nicht wie viel Zeit vergangen war als dann die Mutter von Sabine hereinkam. Sie hat als einzigste einen Schlüssel. Sie brachte mich wieder etwas in Ruhe. Mit Entsetzen stellte ich fest, dass neben mir ein Messer lag. Was hatte ich vor, und was wäre passiert, wenn meine Schwiegermutter nicht gekommen wäre. All dies machte mir Angst. Vielleicht wäre es damals besser gewesen, wenn sie nicht erschienen wäre. Alle Probleme wären auf einen Schlag gelöst gewesen. Ich weiß es nicht. In meiner Hilflosigkeit ging ich dann ein zweites Mal zu einem Psychologen. Auch wollte ich meine Frau um Hilfe beten, doch irgendwie konnte sie es nicht. Wahrscheinlich hat sie meine Probleme nicht erkannt, mit denen ich zu kämpfen hatte. Einzig ein guter Freund hat meine Gefühlsproblematik verstanden. Thomas konnte gut zuhören. Früher konnte ich nie Sorgen irgendjemanden anvertrauen, es wurde mir ja auch schließlich so anerzogen. Probleme und Sorgen sollte man immer für sich behalten, denn sie interessieren sowieso keinen. So mein Stiefvater. Also stopfte ich mein Gehirn so voll, bis es irgendwann überlief. Leider war da Sabine immer der Überlauf. Es wäre im Nachhinein vielleicht besser gewesen, ich hätte meine Sorgen mit Sabine geteilt, und sie ihre mit mir. Doch damals konnte ich es nicht. Und mit der Trennung ist das Fass nicht übergelaufen, sondern geplatzt. Nun hatte ich Angst vor der Zukunft. Wie kann ich sie alleine bewältigen? Mein letzter Ausweg war der Suizid. Nur eine Stimme in mir sagte: „Lass dich behandeln, du bist krank.“ Also fragte ich den Psychologen um Rat. Er riet mir in eine stationäre Behandlung zu gehen. Auch fiel das Wort „Psychiatrie“. Eine Angst kam in mir hoch, jedoch mein Selbsterhaltungstrieb war stärker.

 

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6.) Kapitel     - Die Rettung –

 

 

Der 1. Oktober 2002. Ein Schicksalstag. Sabine fuhr mich nach Twistringen ins Krankenhaus. St.-Annen-Stift war der Name. Das klang wenigstens nicht nach Psychiatrie. Mit Herzklopfen verabschiedete ich mich von Sabine und ging den Eingang hinein ohne mich umzusehen. War es für immer? Komme ich da jemals wieder gesund heraus? Ich musste es herausfinden. Am ersten Tag lief ich auf der Station herum wie Pik-doof. Alles war neu für mich. Auch wusste ich nicht was für Patienten hier so untergebracht sind. Und immer der Gedanke an Sabine. Mir kam es so vor, als wäre sie böse darüber gewesen, in eine Klinik zu gehen. Doch es war ein letzter Versuch. Zu Hause hätte ich für nichts garantieren können. Dazu war der Gedanke an Suizid zu groß. Und ich wusste ebenfalls, dass ich intelligent genug war, es zu schaffen, wenn ich es wollte. All dies machte mir Angst genug um in eine Psychiatrie zu gehen. Denn ich kann mir eine Zukunft ohne Sabine nicht mehr vorstellen. Auch kam da plötzlich der Gedanke von Eifersucht hoch. Sabine sagte kurz vorher zu mir, dass sie sich wie ein Spielzeug fühlt, mit dem ich lange nicht gespielt habe. Jetzt wo ein anderer mir das Spielzeug wegnehmen will, reagiere ich. Doch mit Liebe spielt man nicht. Es war reine Eifersucht, die in mir Ausbrach. Sie verstand mich nicht. Wie sollte sie auch? Ich habe mich ja noch nicht einmal selbst verstanden. Durch die Trennung hat sich in meinem Kopf eine solche Psychose aufgebaut, dass ich davon Herz-Rhythmus-Störungen bekommen habe. Denn dadurch wurde mir der Defibrillator implantiert. Wenn es keine Trennung gegeben hätte, dann bräuchte ich das Gerät vielleicht gar nicht. Denn ich war ja schon wieder auf dem Weg zur Besserung, nach dem Herzinfarkt. Ich fuhr schon wieder Schulbus, und war kurz davor wieder in Vollzeit zu gehen. Ich fühlte mich fit genug dazu. Alles schien zu werden wie früher. Doch das war es nicht. Die Realität hatte mich eingeholt, und forderte ihren Tribut. Nun saß ich alleine auf mich gestellt in einer Psychiatrie. Ich konnte mit niemanden reden. Schließlich interessiert sich ja auch keiner dafür. Nur Thomas, mein guter Freund verstand mich und meine Problematik. Alles verlief ganz so wie in einem Krankenhaus. Das Aufnahmegespräch, die Schwester erklärte mir die Station und sagte mir alles über meine Rechte und Pflichten. Alles so normal wie in jedem Krankenhaus. Als mich dann am darauf folgenden Sonntag, Sabine mich besuchte, hatte ich wahnsinnige Herzklopfen. Denn irgendwie hatte ich noch Hoffnung. In meinen Gedanken war ich aber ganz wo anders. Ich bildete mir eine Traumwelt, in der das hier nur ein ganz normaler Krankenhausaufenthalt ist. Der Psychologe in Delmenhorst sagte damals zu mir, dass so ein Aufenthalt circa 2-3 Wochen dauert. So spielte sich in mir der Gedanke, nach etwa 3 Wochen bist du wieder gesund, fährst nach Hause zu deiner Frau, und alles ist wieder gut. Doch dies war ein Trugschluss. Denn beim zweiten Besuch erklärte sie mir, dass es wohl nichts mehr wird. Ich spürte den freien Fall in mir. Nur einem Mitpatienten, der zufällig auch Thomas hieß, ist es zu verdanken, dass ich noch lebe. Er war es auch, der mich anfangs direkt ansprach, und mich fragte was ich habe. Da platzte ein Korken aus mir, und ich konnte plötzlich mit anderen meine Probleme und Gedanken erläutern. Jahrelang konnte ich das nicht. Selbst meiner eigenen Frau gegenüber nicht. Am 18.10.02 kam der nächste Hammer. Ich musste eine Urinprobe abgeben, da hatte ich mal wieder Blut drin. Da ich das schon öfters hatte, und deshalb in Delmenhorst schon mal im Krankenhaus war, damals sagte man mir dass das von den Blutverdünnenden Medikamenten kam, dachte ich mir nichts dabei. Nun aber sollte ich auf der inneren Abteilung untersucht werden. Hierbei kam ein erschreckendes Ergebnis auf mich zu. Man fand ein Prostata-Karzinom. Andere würden einfach Krebs dazu sagen. Außerdem wurden Metastasen an der Wirbelsäule und dem unteren Lymphsystem entdeckt. Ich war mal wieder in das tiefe dunkle Loch gefallen. Ich wollte auf keinen Fall Mitleid. Nicht von Sabine, sie sollte wenn überhaupt, nur dann zurückkommen, wenn ich eine Chance  bekomme, da ich Angst hatte sie würde nur wegen meinem Krebsleiden bei mir bleiben. Mein Stiefvater sollte es auch nicht erfahren. Er hatte schon genug Probleme mit mir. In mir kamen die Gedanken an meine Mutter hoch, und wie sie leiden musste. So wollte ich auf keinen Fall enden. Es schien alles so einfach zu sein. Ich stand schon auf den Schienen und wartete auf den Zug aus Osnabrück.

Den Fahrplan hatte ich mir schon aus Perfektionismus vorher besorgt. Doch Thomas, der eigentlich auch nur Patient ist, und seine Krankheit bekämpfen muss, rettete mich davor. Erst sehr viel später wurde mir dann klar was ich tun wollte. Doch die Gedanken daran, einfach die Vergangenheit zu vergessen sind nicht so einfach. Daran muss man arbeiten. Denn darum ging ich in die Psychiatrie. Manchmal frage ich mich auch, wo meine Freunde und Bekannten sind? Haben sie etwa Angst, mich zu besuchen? Oder wissen sie vielleicht gar nicht wo ich bin. Ich wusste auch nicht, was Sabine den anderen erzählt hatte. Verschwieg sie gar, dass ich in einer Psychiatrie bin? In solch einer Situation fängt man dann an, seinen Freundes- und Bekanntenkreis zu sortieren. Im Grundgenommen ist es mir auch egal geworden, was andere über mich denken. Ich habe in meinem Leben zu oft an andere gedacht. Selten an mich selber. Dies machte es mir nur noch schwerer an meiner Krankheit zu arbeiten. Ich sollte mal nur noch an mich denken. Leider gelang es mir, nicht so wie ich es wünschte. Oft ertappte ich mich dabei, wie ich überlegte, wie es denn wohl den anderen geht. Darunter zählte auch viel zu oft Sabine. Auch haben mir die Schwestern, Pfleger und Psychologen geholfen, einen Weg zu finden, doch laufen musste ich selbst. Außerdem litt ich unter starken Depressionen, so heißt meine Krankheit, und lasse mich behandeln. Es ist auch eine Krankheit, die ein Außenstehender nicht immer verstehen will oder kann. Darunter zählte ich auch Sabine. Bevor ich in die Klinik ging, fragte ich sie, was ich tun sollte. Sie antwortete mir nur, dass ich selber wissen müsste was ich tat. Also kam ich zur Schlussfolgerung, dass sie es nicht verstanden hat, warum ich in die Klinik ging. Irgendwie bin ich auch ein anderer Mensch geworden. Ich empfand plötzlich Gefühle, die ich vorher nie kannte. Das ist es auch, was mir eine Trennung erschwerte. Denn erst jetzt erkannte ich, wie sehr ich Sabine liebe, wie sehr ich sie vermisse. Egal wo ich auch bin sah ich ihr Bild. Und der Gedanke daran, dann ein anderer sie liebt, und sie ihn, verursachte zerreißende Schmerzen in mir. Das ist wohl die Eifersucht, die in mir brannte, und ich hatte Angst zu verbrennen. Auch stellte ich mir manchmal vor, sie kommt zu mir zurück, dann könnte ich ihr alles verzeihen. Ich konnte sie auch voll und ganz verstehen, denn ich habe ihr das Leben wirklich nicht leicht gemacht. Viel zu oft hat sie seelische und psychische Schmerzen aushalten müssen. Jedoch weiß ich, dass wenn sie zu mir zurückkommen sollte, ich ihr alles verzeihen könnte. Denn zum jetzigen Zeitpunkt werde ich sie auch immer lieben, und sonst keine. Doch ich weiß auch dass ich das nicht darf. Dieser Zwiespalt in mir, verstärkte die Depressionen. Ich führte einen Kampf in mir selber, und habe die Angst, den zu verlieren. Auf der Station sind alle so herzlich zu mir, Patienten sowie Pflegepersonal. In meinen Gedanken fragte ich mich zu oft, ob ich das überhaupt verdient hätte. Meine Krankheit fühlte sich an wie Krebs. Sie zerfrisst einen von innen. Und ich ging in Behandlung um die Krankheit zu besiegen. Ich hoffte, dass dies mir irgendwann einmal gelingt. Solange müsse ich in der Klinik bleiben. Denn noch plagte mich die Angst vor der Zukunft. Ich hatte auch irgendwie Angst vor zu Hause, vor den Erinnerungen an die schöne Zeit. In der Klinik hatte ich mir eine Art Festung aufgebaut, an die so leicht keiner herankommt. Doch bestand die Gefahr, dass ich mich einmauere, und mir so selbst die Chance verwehre, jemals wieder ein Standbein in der Außenwelt aufbauen zu können. Ich wusste nicht, wie ich der Realität zu Hause begegnen könnte. Noch war es für mich aussichtslos, nach Hause zu gehen. Sollte mir einmal die Möglichkeit gegeben  werden, dass ich die Zeit zurückdrehen könnte, so würde ich es sofort tun. Aber dies ist nun mal nicht möglich. Vielleicht ist es auch gut so. Am 28. Oktober 02 war dann in der Klinik ein Paargespräch. Dort gab Sabine mir unmissverständlich eine endgültige Trennung zu verstehen. Jetzt war alles aus. Ich wollte einfach nicht mehr weiterleben. Da waren sie wieder, die Gedanken an Suizid. Ich hatte einfach Angst vor der Einsamkeit. Mir fehlte in diesem Moment einfach die Geborgenheit, die Wärme und die Liebe. Alles das was ich ihr nie gab. Auch steckt in mir eine solche Eifersucht, dass ich Herzschmerzen bekomme. Man soll sich eigentlich seinem Schicksal stellen, auch wenn es noch so schwer sein wird, aber ich besitze einfach nicht mehr die Kraft dazu. Wenn ich doch nur abends einschlafen würde, und am anderen Tag nicht mehr aufwachen müsste. Wozu soll ich denn noch leben? Und für was oder für wen? Meine Zukunftsperspektiven sind einfach davongeflogen.

Bevor ich in die Klinik ging, sagte Sabine noch zu mir ich solle die Hoffnung nicht aufgeben. Doch sie selber war es, die mir diese letzte Hoffnung nahm. Auch mit dem Gedanken daran, dass sie sich mit einem anderen zurzeit amüsiert, und ich in der Klinik leide, komme ich nicht zurecht. Bei den Besuchen von ihr, wirkte sie so geradlinig, dass ich das Gefühl habe, sie hatte die 20 Jahre komplett vergessen. Vielleicht kann sie es auch deswegen, weil die Jahre für sie zur Qual wurden. Ich ertappte mich immer des Öfteren, dass ich mir Suizidgedanken machte, die so perfekt sind, dass mich auch wirklich keiner mehr retten kann. Irgendwann wird es mir gelingen und Sabine ist endlich frei, lag in meinem Gedanken. Sie selber sagt immer zu mir, dass ich sie erpressen will, doch für mich ist es nur der Gedanke an Erlösung. Ich selber konnte den Schmerz in mir nicht mehr länger ertragen. Auch hatte ich erkannt dass man Liebe nicht erzwingen kann. Wahrscheinlich habe ich es, ohne zu bemerken, dies immer wieder versucht. Von den Psychologen und Ärzten bekommt man nur Ratschläge, doch das löst die Probleme nicht. Mich hielt einzig allein die Gemeinschaft auf der Station, und mein bester Freund über Wasser. Doch kam in mir manchmal die Angst hoch, dass wenn ich entlassen bin, mir dieses alles fehlt. Auch vor meinem Auftreten in der Öffentlichkeit hatte ich Angst. Ich hatte regelrecht Schiss, allen erzählen zu müssen, dass es aus ist zwischen Sabine und mir. Wir alle, aus der Stationsgruppe haben zwar beschlossen, dass wir uns in der Außenwelt alle regelmäßig treffen werden. Dies soll uns gegenseitige Kraft geben. Doch ob es allen gelingen wird, weiß nur einer. Er lenkt jedenfalls unser aller Schicksal im Leben. Ich bin zwar nicht gerade der gute Kirchgänger, doch ich glaube an Gott. Damit habe ich auch noch ein Problem. Denn wenn es ihn gibt, warum macht er das mit mir? An irgendeinem Punkt in meinem verkorksten Leben habe ich wohl solch einen Fehler begangen, dass ich nun Strafe zahlen muss. Auch wenn ich dann wieder in der Bibel lese, finde ich keine Antwort. Dort steht nur, dass er gerecht ist. Doch ist das Gerechtigkeit? Sabine hat eigentlich eines der zehn Gebote gebrochen, in dem sie zur Ehebrecherin wurde. Doch sie wird nicht bestraft, sondern auch noch belohnt. Ich möchte so gerne einen Hass in mir, gegen sie, aufbauen. Doch dies gelingt mir einfach nicht. Vielleicht käme ich dann mit der Situation besser klar. Ich bin immer wieder auf der Suche nach Punkten in unserer Beziehung, die mir klar werden lassen, dass auch sie Fehler gemacht hat. Leider finde mich zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei solchen. Vielleicht werde ich immer in der Meinung leben, dass nur ich schuld an allem war. Schließlich hat Sabine mir es auch eingeredet. Und irgendwann einmal glaubt man alles.

 

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7.) Kapitel     - Morgendämmerung –

 

 

Ich muss mein Leben irgendwie in den Griff bekommen, doch ohne Hilfe schaffe ich das nicht. Schließlich ist der Aufenthalt in einer Psychiatrie ein Lebensabschnitt, den keiner jemals vergessen wird. Die meisten sind zwar freiwillig hier, jedoch wird man freiwillig nicht einfach so krank. Einer Krankheit geht immer die Zeit der Inkubation voraus. Nur wenn man diese rechtzeitig erkennt, hat man es leichter sie zu bekämpfen. Leider habe ich diese Zeit nicht erkannt, und muss damit rechnen eine schwere Krankheit auszukurieren. Auch das Geld spielt bei mir eine große Rolle. Eigentlich wollte ich das Haus irgendwie behalten, da es mein Traum war. Doch leider habe ich nicht die finanziellen Mittel dazu. Vielleicht gelingt es mir doch noch irgendwie. Im Augenblick bleibt mir nur der Umzug in eine Wohnung, die ich mir leisten kann. Denn der Gedanke, dass Sabine mit ihrem Freund in das Haus einzieht, ist für mich eine große Qual. Daher werde ich es versuchen, das zu verhindern. Auch bin ich mit meinem Stiefvater wieder ins reine gekommen. Wir hatten sehr intensive Gespräche. Ich schätze wir werden gemeinsam eine Lösung finden. In solch einer schweren Zeit sollte man sich an jeden Strohhalm klammern, den man gereicht bekommt. Man soll auch einfach mal die Vergangenheit zurücklassen um an der Zukunft zu arbeiten. Ich meine nun auch bereit zu sein Bekannte zu empfangen, die sich nach meiner Gesundheit erkundigen. Ich darf mich nicht länger verstecken. Mein bester Freund hat sich sogar für mich eingesetzt, dass ich eine Arbeitsstelle bekomme, sobald dem Antrag auf Schwerbehinderung stattgegeben wird. Das erste Licht am Ende des Tunnels ist für mich somit sichtbar. Ich muss nun anfangen direkt darauf zuzugehen, und nicht unterwegs schlapp machen. Der Weg dorthin wird schwer werden, doch nach jeder Holperstrecke kommt auch ein Weg der eben ist. Nun muss ich die nötige Kraft sammeln um über die Holperstrecken hinwegzukommen. Auch muss ich in irgendeiner Weise versuchen mit Sabine in Freundschaft klarzukommen, was mir sicherlich nicht leicht fallen wird. Denn sie hat in meinem Herzen eine Wunde hinterlassen, die so schnell nicht heilen wird. Auch der Gedanke, dass sie sich mit einem anderen amüsiert, während ich in der Klinik leide, macht mich verrückt. Auch weiß ich, dass noch eine sehr schwere Zeit auf mich zukommen wird, die ich überstehen muss. In der Klinik ließ ich aus Wut das Handy von Sabine sperren. Am 8. November 2002 fuhr ich zum ersten Mal zurück nach Hause, wobei es eigentlich gar nicht mehr mein zu Hause ist. Manchmal fühle ich mich wie ein vertriebener, dem man einfach die Heimat genommen hat. Die Aufregung in mir war ziemlich stark. Schließlich kam ich zum ersten Mal, nach 6 Wochen aus der Klinik heraus, um woanders zu übernachten. Der Tag verlief auch ganz gut. Ich musste mich erst einmal wieder an die Wohnung gewöhnen, denn in so vielen Wochen ändert sich vieles. Ich packte all meine Computersachen zusammen und brachte sie zu Thomas. Dabei änderte ich die Telefon-Anlage, damit Sabine nicht mehr telefonieren konnte. Ich weiß nicht was mich dazu trieb, es war eine Wut in mir, die dafür sorgte, dass ich nicht klar denken konnte, obwohl ich gegen meine Gedanken Psychopharmaka bekam. Irgendwie wirkten sie überhaupt nicht bei mir. Meine gesamten Kleidungsstücke hinterließ ich bei meinem Stiefvater. Dann sprach ich noch mit den Nachbarn über die Situation, die zwischen mir und Sabine bestand. Ich erzählte ihnen, dass ich meine Koffer gepackt hatte, und die Absicht bestand, aus dem Haus auszuziehen, da Sabine und ich uns trennten wollten. Sabine hatte nie ein Wort darüber bei ihnen verlauten lassen. Umso größer war dann für sie der Schock der Wahrheit. Aber ich hatte mir vorgenommen meine Krankheit nicht länger zu verschweigen. Ich stand dazu, was ich hatte, und was ich vorhatte. Abends waren wir dann Essen. Thomas, seine Freundin Eva, seine Schwester Kirsten und ich. Wir waren beim Chinesen. Und dann passierte das unfassbare. Ich hatte mich in Kirsten verguckt. Wir tauschten Blicke aus, und ich meinte eine erwiderte Reaktion von ihr registriert zu haben. Die Nacht über konnte ich nicht schlafen, da ich nur an sie denken musste. Am nächsten Tag fuhr ich dann wieder zurück in mein gewohntes Zuhause, die Klinik in Twistringen. Auch dort fing ich immer wieder an, an sie zu denken. Ich glaubte ich hatte diese so genannten Schmetterlinge im Magen. Ich schrieb dann auch einen Brief an sie, in dem ich versucht habe ihr meine Gefühle zu vermitteln. Auch in den folgenden Tagen dachte ich immer an sie. Ich überlegte, was sie mir wohl antwortete. Es spielte sich in meinen Gedanken vieles ab. Ging es ihr genauso? Oder war das Gefühl nur auf meiner Seite? Die Welt verstand ich sowieso nicht mehr, da ich mit mein altes Leben noch nicht ganz auf die Reihe gebracht hatte, mich schon wieder in ein neues Abenteuer stürzte. Vielleicht war es auch eine Art von Rache, gegen Sabine, und dem was sie getan hatte. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts Genaues wusste, ob es jemals in meinem Leben eine Bekanntschaft eine Beziehung wurde. Aber mittlerweile hatte ich in der Klinik gelernt, auch mit negativem klarzukommen. Egal was man mir antwortete, ich konnte es verkraften. Aber, was ich schon lernte, Liebe oder Zuneigung kann man nicht erzwingen. Am 13.11.02 kam mein Freund Thomas zu Besuch, und erklärte mir, dass Sabine am Vorabend bei ihm war und dort ihre Version der Trennung zu erläutern. Irgendwie merkte ich, dass er mich langsam fallen lassen wollte. Damit stände ich wieder ganz alleine da. Ich hatte langsam das Gefühl, sie will mich psychisch fertig machen, und nutzt dabei meine Situation in der Klinik aus. Aus der Wut, die ich gegen sie entwickelt hatte, wurde mittlerweile Hass, und ich habe Angst, dass ich dadurch einen Fehler mache, denn Fehler hatte ich schließlich in meinem Leben schon zu viele gemacht. Ich bin vielleicht noch zu labil um das zu überstehen. Auch habe ich wieder manchmal die Gedanken, meinem Leiden ein Ende zu setzen. Doch damit würde ich Sabine sicherlich nur ein Gefallen tun. Trotzdem spielen sich in meinem Gehirn immer wieder Überlegungen durch über das wie und wann. Ich weiß auch, dass das wieder nur eine Sache ist, mit der ich vertraut bin. Weglaufen vor Problemsituationen. Und das darf ich eigentlich nicht länger. Auch wenn es der einfachste Weg ist. Einfach frei sein von allen Problemen. Doch es wird ein schwieriger Kampf werden, den ich wahrscheinlich verlieren werde, da meine Kräfte von Tag zu Tag immer weniger werden, und ich keine Möglichkeit finde sie von neuen aufzutanken. In der Nacht zum 15.11.02 schlief ich auch sehr unruhig, da ich schlecht träumte. Ich erlebte meine eigene Beerdigung, bei der alle Anwesenden in einer Freudenstimmung waren. Alle lachten und feierten meinen Tod ausgiebig. Sollte etwa so mein Ende aussehen? Morgens war ich wie gerädert, als ich etwa gegen halb sechs aus dem Traum aufschreckte. Meine Stimmung war wieder mal auf dem Nullpunkt. Nachmittags hatte ich dann den ersten Termin bei meinem Rechtsanwalt. Ich war schon sehr nervös. Aber nach dem Gespräch ging es mir deutlich besser. Auch wenn ich noch nicht weiß, wie ich das alles bezahlen soll. Ich versuchte am Samstag, es war der 16.11.02, ein Gespräch mit Sabine zu führen, um die ganze Trennung doch noch friedlich zu vollziehen. Doch irgendwie schaffte ich es nicht ruhig zu bleiben. Außerdem hatte ich beschlossen, dass wenn die Scheidung vollzogen ist, meinem Leben ein Ende zu setzen. Ich hatte auch schon Pläne wie es geschehen sollte, denn ich hatte einfach nicht mehr die Berechtigung, auf Erden noch länger zu verweilen. Solange musste ich noch irgendwie durchhalten. Denn ich möchte nicht, dass Sabine für mich auf irgendeiner Weise aufkommen muss. Dafür habe ich ihr zu viel angetan, mit dem ich nie klarkommen werde. Denn es sind immer noch Gefühle für sie in mir, die ich nicht auslöschen kann. Auch wenn es mir sehr schwer fällt, hoffe ich, dass sie solch eine Zeit, wie sie mit mir nie wieder durchmachen musste, nicht mehr erleben muss. Meine Fehler waren zu schwer, dass ich sie aus meinen Gedanken verdrängen könnte. Ebenso habe ich Angst, dass sich so etwas, wie die Trennung noch einmal in meinem Leben durchmachen muss. Denn dazu, habe ich festgestellt, habe ich nicht mehr die Kraft. Daher kann ich eigentlich nie wieder eine Beziehung aufbauen, wenn ich solche Ängste habe, dass ich jemanden, den ich kennen lerne, verlieren könnte. Auch wenn ich meine Gefühle zu jemanden schon offenbart hatte. Das liegt einfach daran, dass ich Gefühle zu anderen nicht mehr verstecken kann. Es liegt wohl an dem Lernprozess, den ich seit dem Klinikaufenthalt durchgemacht hatte. Es ist mir schließlich bewusst geworden, dass ich so schnell nie mehr einen anderen lieben kann. Ich muss einfach jetzt stark sein, damit Sabine nicht mehr länger leiden muss, und sie somit eine friedliche Trennung vollziehen kann. Denn ein Rosenkrieg, ist das letzte was ich will. Schließlich hat sie mir gesagt, sie möchte jetzt glücklich sein. Dem kann und will ich nicht länger im Wege stehen. Mein Leid habe ich schließlich selbst verursacht. Auch hatte ich noch bis zum letzten Tag gehofft, ich würde neue Kraft schöpfen, doch ich schaffe es einfach nicht. Am 21.11.2002 wurde ich entlassen, dass sollte mein D-Day sein. Meine Reserven sind verbraucht, und meine Lebenszeit ist um, und ich wünsche mir nur, dass Sabine mir nicht nachtrauert, oder sich irgendwelche Vorwürfe macht, denn ich bin es einfach nicht wert! Vielleicht findet sie nun endlich das Glück, dass ihr bisher verwehrt wurde. Vielleicht kann ich ihr von dort, wo ich hingehen werde, dabei behilflich sein. Ich werde sie nie vergessen können. Ich übernachtete in unserem noch gemeinsamen Haus, obwohl mir die Ärzte davon abgeraten hatten. Sie meinten die Erinnerungen im Haus sind eine zu große psychische Belastung für mich. Dem war auch so, obwohl ich selbst es nicht bemerkte. Irgendetwas ging in meinem Kopf vor. Am 27.11.02 hatte ich dann wieder einen Rückfall. Ich trank abends beim Fernsehen im Haus Alkohol, um meine Gedanken einfach zu vergessen. Doch das endete in einem Desaster. Ich wurde morgens von zwei Polizeibeamten geweckt. Mein linker Arm tat weh und ich hatte eine große Schnittwunde. Sie erzählten mir dass meine Frau auf der Dienststelle sitze und Angst hatte, ich könne mir etwas antun. Doch eigentlich wäre sie ganz froh, wenn ich nicht mehr bin. Denn dann kann sie endlich  in Ruhe mit ihrem neuen Freund und Arbeitskollegen Bernd Wollenberg in das Haus einziehen, und muss mich nicht auszahlen oder Unterhalt zahlen. Auch wenn beide zusammen ein gutes Gehalt haben. Den Suizidversuch hatte ich aber bereits wohl nachts getan. Außerdem fragten die Polizisten mich nach meinem Gewehr, dass auf mich eingetragen ist. Ich konnte nur sagen, dass ich es nicht weiß, da meine Frau das Gewehr an sich genommen hatte. Also kam ich auf die Intensivstation und wurde nachmittags drei Stunden operiert. Ich hatte es nur geschafft, mir zwei Sehnen zu durchtrennen. Blut hatte ich kaum verloren. Selbst zu einem Suizid war ich zu dumm. Eine Wohnung habe ich in Harpstedt gefunden. Am 15.12.02 soll der Umzug sein. Durch die Aktion mit der Kripo im Haus wurde ich zur Vernehmung ins Ordnungsamt geladen, da habe ich dann noch mal gesagt dass Sabine das Gewehr hat, so hat sie es meinem Anwalt mitgeteilt. Jetzt soll ich noch ein Verfahren wegen Missachtung der Sorgfaltspflicht von Waffen bekommen, da ich das Gewehr so verwahren hätte müssen, dass kein Unbefugter drankommt. Zusätzlich hat Sabine beim Ordnungsamt angegeben, ich hätte gedroht sie damit umzubringen. Nun sollte ich von der Staatsanwaltschaft auch noch wegen Morddrohung angeklagt werden. Alles passte wunderbar. Zu guter letzt soll ich noch wegen der Suizidgefahr meine Führerscheine abgeben, und frühestens nach 6 Monaten durch eine MPU wiederbekommen. Jetzt war ich endgültig ruiniert. Sie hatte es geschafft mich kaputt zu machen. Meine Existenz war ebenfalls zerstört, da alles in das Zentralregister eingetragen werden soll. In der Zwischenzeit besuchte ich Sabine im Krankenhaus in Bremen, wo sie sich den Nagel aus dem Bein entfernen ließ. Etwas verwundert war sie schon, al ich dort auftauchte. Aber ich sagte ihr, dass ich schon seit 1.10.02 immer darüber informiert war, wo sie sich aufhielt. Ich hatte nämlich einen Privatdetektiv auf sie angesetzt. Ich wusste alles über sie. Ob es hier um einen Familienvater ging, der sie zum Essen einlud, und nachher ...! Oder ob es Bern Wollenberg war, in dessen Bett sie war. Hoffentlich hatte sie dort ihren Spaß, den sie bei mir nicht hatte. Im Bett war sie immer anspruchsvoll gewesen. Vielleicht war auch dies ein Grund der Trennung, dass er ihr mehr geben konnte als ich. Bei manchen kommt es schließlich nur auf die Bettqualität an. Aber manchmal denken Frauen nur mit dem was in der Hose passiert. Auch Männer können das, nun bin ich jetzt halt ein Versager. In dieser Zeit wohnte ich ersten Mal bei meinem Stiefvater, bis der Umzug erledigt ist. Glücklicherweise habe ich noch Freunde, die mir beistehen. Darunter zählen auch Kirsten und Thomas. Ohne die, hätte ich schon längst alles aufgegeben. Ich versuche nun auch noch meine zweite Krankheit in Griff zu bekommen. Ich habe neue Kraftquellen gefunden. So schön können Freundschaften sein, denn ein guter und wahrer Freund, ist das Beste was es gibt auf der Welt. Doch wie geht es weiter?? Was wird noch alles mit mir passieren? Einzig allein bleibt die Angst in mir vor der Einsamkeit. Hoffentlich kann ich auch die besiegen. Ich hatte schließlich noch nie in meinem Leben allein für mich gelebt. Am 16.12. fing ich mit dem Umzug in mein neues Heim an. Irgendwie war es schon ein komisches Gefühl, alle meine Sachen aus dem Haus, in eine eigene Wohnung zu bringen. Der Umzug dauerte bis zum 20.12.

Dort half mir Thomas dann noch die letzten Möbel aus dem Haus zu holen. Die ersten Nächte waren grausam. Ich konnte ganz schlecht schlafen. Aber das legte sich bald. Nun arbeitete ich an meinem neuen Leben, und hoffte, dass sich die Unruhe, die seit Monaten in mir herrscht, sich langsam legt. Auch versuchte ich mich immer wieder zu verabreden, wobei ich eigentlich nur die Nähe und Geborgenheit suchte, die man mir nahm. Leider besteht dort die Gefahr, dass meine Gedanken an eine Verabredung falsch verstanden werden. Vielleicht suche ich ja auch im Inneren eine neue Beziehung, jedoch ist es jetzt noch zu früh damit. Denn auch das Alleinsein muss erst einmal gelernt werden. Mein Psychologe in Delmenhorst versucht jetzt mit mir eine Therapie mit Hypnose, um über meine Vergangenheit hinwegzukommen. Hoffentlich gelingt es ihm. Wahrscheinlich muss ich auch noch ins Gefängnis, da ich die Strafe für das falsche Aufbewahren meines Gewehres von 2.500 EURO nicht bezahlen kann, und somit die Strafe absitzen muss. Aber auch das macht mir nichts mehr aus. In diesem schwarzen Loch, in dem ich mich befinde, komme ich sowieso nicht so schnell heraus. Da sieht man was eine zornige Frau mit einem alles machen kann. Sie kann einem Menschen die gesamte Zukunft, und somit sein Leben zerstören. Doch das ist es ihr alles wert. Anfang Januar zog dann Sabine vor das Familiengericht, um dort das alleinige Wohnrecht einzuklagen, und wollte erreichen, dass ich das Haus bis auf weiteres nicht mehr betreten darf. Obwohl ich dort noch einige Sachen hatte, die mir gehörten. Einen Anwalt konnte ich mir nicht leisten, also verlor ich. Wieder einen Punkt für sie. Am 21. Januar 03 kam plötzlich die KRIPO in meine Wohnung, und nahm meine gesamte Computeranlage mit, da ich auf einmal beschuldigt wurde mit e-Mails Ihren Bruder falsch verdächtigt zu haben. Doch ich war mir keiner Schuld bewusst. Welches Spiel lief jetzt? Da ich ein Mensch war, der nie großartig gegen etwas unternahm, resignierte ich. Schließlich hatte ich ja immer Schuld. Ich hoffte nur, dass sich das ganze Desaster aufklärte. Ich fiel immer tiefer. Wieder schien die ganze Welt gegen mich zu steuern. Aber an das hatte ich mich gewöhnt. Was ich jedoch erreichte, war einen Kredit bei einem Privatvermittler zu bekommen, um die Strafe zu bezahlen. Doch wie ich die Raten abzahlen sollte, wusste ich nicht. Nun forderte auch der gesamte Streit bei meinem Stiefvater seinen Tribut. Er bekam zu Hause einen Schlaganfall. Nun war er ein Opfer Ihrer Wut gegen mich geworden. Als nächstes sollte ich dann wieder vom Schicksal getroffen werden. Als ich am 31. Januar abends nach Bookholzberg fahren wollte, geriet ich aus mir bis heute ungeklärter Ursache von der Straße ab, und prallte gegen einen Baum. Ich konnte mich im Krankenhaus an nichts mehr erinnern. Die Ärzte sprachen von einer Amnesie, die der Körper aufbaute um schreckliches zu vergessen. Außerdem fanden sie nach einer Blutprobe meine Medikamente, wie die Antidepressiva, sowie ein Beruhigungsmittel, dass ich seit Oktober 2002, auf Anordnung meiner Ärzte verschrieben bekommen hatte. Nun wurde zusätzlich in den Raum gestellt, ich hätte mit einem Drogenmissbrauch einen Suizidversuch angestellt. Jetzt war auch noch mein Führerschein weg. Bei meinem Unfall jedoch mussten die Schutzengel Klassentreffen bei mir veranstaltet haben. Das Auto war Totalschaden, und ich hatte zwei kleine Schnittwunden sowie ein paar blaue Flecken. Sollte da doch noch jemand sein, der auf mich aufpasste? Zum Glück hatte ich das Auto noch Vollkasko versichert. Dachte ich. Als die Versicherung von dem Polizeibericht erfuhr, stellte sie alle Haftungen ein. Ich muss nun die Abschleppkosten selber bezahlen, und kriege kein Geld, trotz Vollkasko. Ich hätte es mir auch denken können. Wie hatte ich nur an Glück geglaubt. Ich lag auch nur 5 Tage im Krankenhaus. Ein Wunder, wenn man sich das Auto ansah. Was mich nur beängstigt ist, dass ich von allem keine Erinnerung habe. Vielleicht klärt sich auch dieser Fall eines Tages. Auch bin ich froh darüber, dass kein anderer zu Schaden gekommen ist. Sabine hat nur über dritte, schleimhaft nach meinem Zustand gefragt. Wahrscheinlich wäre es ihr lieber gewesen, es wäre aus mit mir gewesen. Dann hätte sie auch keine Finanzprobleme mit mir. Obwohl Sabine Rebentisch eine Stange Geld als Verwaltungsoberinspektorin beim Amt für soziale Dienste in Bremen Ost verdient, missgönnt sie mir jeden Cent. Obwohl sie sich von mir getrennt hat, und mich quasi auf die Straße gesetzt hat, um mich zum Sozialfall zu machen. Alles wickelt zwischen ihr und mir nur über Anwälte ab. Wie ich das alles je bezahlen soll weiß ich noch nicht. Sie hat ja schließlich das Geld dazu und braucht sich darum keine Gedanken zu machen. Und ihr neuer Lover, Bernd Wollenberg, ist ja schließlich ihr Arbeitskollege, im Amt für Jugendhilfe dort. Da kann man sich ausrechnen, was beide verdienen, da beide die gleiche Besoldungsgruppe haben. Außerdem wird Martin Korn, ihrem Vater, der neue viel besser gefallen. Somit ist es wieder eine richtige Beamtenfamilie, in der ich immer nur missmutig akzeptiert war. Und was soll so eine Familie mit einem kranken, der nicht arbeitsfähig ist. Es wird aus der Familie eliminiert. Eigentlich könnten beide das Haus mit links abbezahlen, wenn ich da nicht wäre. Ich bin schließlich der gesamten Familie ein riesiger Dorn im Auge. Sonst würde man gegen mich nicht solche Geschütze auffahren. Und keiner dieser Familie hat jemals daran gedacht, wie ich mich fühle. Alles bezog sich nur auf ihre Guterzogene und untreue gewordene Sabine. Seit dem ich in die Klinik damals eingeliefert wurde hatte ich nur Vorwürfe von allen bekommen. Ich habe so etwas nie verstanden. Wenn man sich wenigstens einmal mit mir normal ausgesprochen hätte, wäre für mich diese Situation vielleicht verständlich geworden. Doch nur mit Vorwürfen allein hatte ich nur den Wunsch für immer Fortzugehen. Ich dachte immer wieder mal, dass Sabine mich auch mal versteht, wie es in mir vorgeht, doch das war ein Fehler das zu glauben, ich war halt schon immer zu naiv im Glauben. Aber wenn sie mich einfach nur fertig machen möchte, dann soll sie es. Ich kann meine Fehler jedenfalls nie mehr rückgängig machen, und muss sie halt teuer bezahlen. Wenn es ihr auch immer Spaß macht mich zu erniedrigen, dann hoffe ich nur, dass sie es befriedigt. Es kommt vielleicht der Tag, an dem sie diese seelischen Qualen durchmachen muss, dass wird dann für mich eine Genugtuung werden. Ich bekomme vielleicht mal die Gelegenheit dazu, zu erfahren warum ich immer nur der große Arsch war. Ich dachte damals wirklich, dass es für mich das Beste war mich in Behandlung zu geben, doch muss ich nun darüber denken, ob es wirklich das war, was ihre Familie wollte. Vielleicht wünschten sie wirklich, dass mein damaliges Vorhaben gelungen wäre. Dann wäre nie aufgefallen, dass die nette Beamtin fremdgeht. So aber hatte ich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es wird auch der Tag kommen, an dem ich diese Autobiographie, die sehr mit meinen Gefühlen vermischt ist, als Buch herausbringen werde. Auch wenn man versuchen wird, dieses zu unterbinden. Ich kann jedenfalls alles was ich geschrieben habe und noch schreiben werde, bis auf das kleinste Detail beweisen. Ich habe immer noch alle Unterlagen des Detektivs, der sie damals 3 Monate lang begleitet hatte. Ich könnte auch noch viel mehr berichten, doch was nützt es. Sie werden immer alles abstreiten. Vielleicht werde ich mal alle Berichte einbauen, doch zum jetzigen Zeitpunkt halte ich das nicht für nötig. Keiner ihrer Familie hat sich jedenfalls einmal Gedanken darüber gemacht, was Depressionen sind und wie die Folgen sein können, wenn man sie nicht behandelt. Über meine andere Krankheit mach ich mir jedenfalls keine Sorgen mehr, ich lasse alles auf mich zukommen. Ich werde ja sehen, was mir von oben bestimmt wurde. Gegen die Schmerzen, die ich zwischendurch habe, nehme ich dann Tabletten. Ich kann auch nicht jede Woche nach Oldenburg zur Untersuchung bzw. zur Bestrahlung. Die Kosten würden mich auffressen. Wenn es jedenfalls noch Gerechtigkeit auf Erden gibt, so werde ich diese erfahren, wenn nicht, so soll es geschehen.

 

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8.) Kapitel     - Ein neues Leben –

 

 

Im Februar nahm ich an einer Kohlfahrt teil, die mir wirklich Spaß machte. Seit langem konnte ich wieder lachen. Ich nahm mit Spaß wieder am Leben teil. Ich entdeckte, dass das Leben auch schöne Seiten haben konnte. Am 7. März 03 konnte ich meine Computer bei der Polizei in Delmenhorst wieder abholen, da das Verfahren gegen mich wegen mangelnder Beweise eingestellt wurde. Nur meine CDs wurden einbehalten, da ich ein paar Kopien besaß von denen mir die Originale fehlten. Ich war mir immer noch sicher, dass alles nur Attacken von Sabine gegen mich waren. Wer sonst konnte wissen, dass ich ein Laptop besaß, welches im Bericht der Durchsuchung ausdrücklich erwähnt wurde. Dieses hatte ich mir nämlich erst während des Klinikaufenthalts in Twistringen besorgt, um meine Biographie zu schreiben. Damals bat mich meine Psychologin, ich solle alles aufschreiben was mir unerklärtes aus meiner Vergangenheit einfiel. Daraus entstand dann diese Biographie. Sie war fasziniert, wie ich das alles aufschrieb. Auch konnte sie mir besser helfen, da sie nun die Probleme kannte, die ich früher erleben musste. Sie hatte nun einen Hebel, wie sie sagte, mit dem sie ansetzen konnte. Nur durch ihre psychologische Hilfe, konnte ich das vergangene bearbeiten. Nun bin ich wieder wer, das lernte ich so langsam kennen. Am 8. März 03 feierte ich mit meinen Freunden, die ich damals in der Klinik in Twistringen kennen lernte, mit einem Besuch in einer Disko. Nun wurde mir endgültig klar, dass ich froh war wieder zu leben, und dass es so schön sein kann. Ich konnte wieder tanzen und fröhlich sein. Auch mit neuen Bekanntschaften klappt es wieder. Ich kann mich mit Leuten unterhalten, die mir vorher eigentlich fremd waren. Ich fühlte mich manchmal mit meinen Problemen allein auf der Welt zu sein, jedoch wenn man andere kennen gelernt, merkt man erst wie häufig diese Probleme in der Gesellschaft vorkommen. Vielleicht kann ich mich deshalb gut mit solchen Personen unterhalten die ähnliche Schicksale erleiden mussten. Ich merke auch, wie mir das hilft und gut tut, mich mit anderen zu unterhalten. Doch ist es für mich nicht mehr denkbar, irgendeine Beziehung einzugehen. Mich holt immer wieder die Vergangenheit ein. Und somit spüre ich, dass ich alleine zwar nicht klarkomme, aber anderseits habe ich immer noch die Angst, irgendwann enttäuscht zu werden. Denn dann kann ich für mich keine Garantie mehr übernehmen. Dazu ist zu viel mit mir passiert, für das ich wahrscheinlich für den Rest des Lebens nach Antworten suchen werde. Solange man Freundschaften pflegen kann, kann es einem nur gut gehen. Trotzdem bekomme ich immer noch diese Emotions-Schwankungen zu spüren, die mich aus heiterem Himmel überfallen. Zum größtenteils haben sie etwas mit meinem Alleinsein zu tun. Das andere ist der Gedanke daran an die finanzielle Situation, in der ich mich befinde. Ich weiß nur, dass ich nie Sozialhilfe in Anspruch nehmen werde. Damit ich ihren Kollegen auch noch Arbeit verschaffe. Das wäre, glaube ich, ihr allergrößter Triumph. Ich kann sie mittlerweile aber bearbeiten. Auch wenn es manchmal äußerst schwierig ist. Ich hatte zwar schon einmal nachgefragt, jedoch steht mir nichts zu, so erklärte man mir, da ich noch Eigentum als Haus besitze. Trotz aller Sorgen darf ich den Kopf einfach nicht hängen lassen. Auch wenn ich oft genug selber der Auslöser für Ärger bin. Darin hab ein Patent. Ich habe mich nun in einem Chat angemeldet um mal wieder Leute kennen zu lernen und zu reden über alles was man kann. Jens hatte es mir gezeigt, da er sich immer noch Sorgen um mich macht. Er sagte schon oft genug zu mir, dass ich mich einigle wie ein Eremit. Doch was soll ich sonst auch machen. Wenn man keine Arbeit hat, und den ganzen Tag nur zu Hause sitzt nimmt man seine Umwelt immer weniger wahr. Erst schlimm ist es geworden, als ich mein Auto und Führerschein verlor. Vorher bin ich noch mal nach Delmenhorst zu meinem Stiefvater gefahren, doch da komm ich auch nicht mehr hin. Und seit dem Schlaganfall meines Stiefvaters, kann er auch nicht mehr Autofahren. Also bleib ich einfach zu Hause und vegetiere vor mich hin. Sabine versteht es auch immer noch mich nervlich so zu misshandeln, dass ich in meine alte Dunkelheit verschwinde. Sie lässt sich dermaßen viel Zeit, in der ganzen Unterhaltsgeschichte, dass sie es wahrscheinlich noch bis zu Ihrer Pension zurückhält. Es wird auch wegen jeder Kleinigkeit Ihr Anwalt eingeschaltet, nicht dass man eben zum Telefon greift und was klärt, nein, alles muss lange dauern. Ich schätze mal dass da auch Ihr Vater Martin dahinter steht. Denn der konnte mich ja noch nie so leiden, ich war schon immer ein Dorn im Auge. Na jedenfalls habe ich bereits im Chat viele Freunde gefunden, mit einigen hatte ich auch schon telefoniert. Endlich habe ich mal Freunde gefunden, die mich verstehen. Leider hatte ich mich mal wieder in eine Situation rein manövriert, mit der ich nun eine Geschichte hab, von der ich nicht weiß, wie es weitergehen soll. Ich bin nämlich Menschen näher gekommen, die für mich mehr als nur Freundschaft bedeuten. Ich möchte auch wieder jemanden um mich herum haben. Doch auf der anderen Seite bin ich da noch nicht bereit zu. Dafür hab ich noch zu viele Ängste aus der Vergangenheit in mir, die mir eine neue Beziehung immer noch zu schwer machen. Und außerdem geht es um zwei Frauen. Das ist das nächste Problem. Für viele Männer wäre es wohl das einfachste der Welt. Sie würden sich einfach beide nehmen, doch dazu bin ich einfach nicht der Typ. Was war passiert, hatte ich mich immer wieder nachts gefragt, als ich mal wieder nicht schlafen konnte. Ich hatte da jemanden, den ich gut mochte, und sie mich auch. Doch langsam schien es mehr zu werden, und ich zog mich zurück, aus Angst jemanden zu verletzten, darin war ich Meister. Nur war es bereits zu spät, ich hatte bei jemand Gefühle geweckt, die ich nicht mehr verstand. Was hatte ich nur schon wieder angestellt. Jetzt bin ich auch noch ein Herzensbrecher, na toll. Und sie ist noch verheiratet, das liegt mir am meisten im Magen. Ich kann doch nicht genauso fies und hinterhältig sein wie es Bernd W. bei meiner Frau gemacht hat. Dann wäre ich nichts besser wie alle anderen. Das durfte und wollte ich nicht zulassen. Außerdem ist da noch eine andere Frau, die mir wirklich sehr sympathisch ist. Was soll ich nun tun? Ich möchte keinen verletzten in den Gefühlen. Der Hammer kam dann als ich erfuhr, dass die eine Ihren Mann verlassen hatte. Ich stand im Regen. Und es goss wie aus Kübel. Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit dem. Ihre Freundin sagte auch immer zu mir ich solle mir keine Sorgen machen. Ihre Ehe ist sowieso schon am Ende. Doch nun stand ich auf der Liste derjenigen, die es schafften eine Ehe zu zerstören. Und ich muss sagen es ist ein Scheißgefühl, ich kann mir auch nicht vorstellen, wie andere das immer so leicht verkraften. Was also sollte ich nun tun? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich auch die andere gern mag und irgendwie beide als Freund nicht verlieren möchte. Wahrscheinlich werde ich den Chat nie mehr betreten. Dann kann so was auch nie wieder passieren. Doch ich hatte es mir anders überlegt, ich wollte der Wahrheit ins Auge sehen, mein Leben lang hatte ich mich immer vor Problemen versteckt. Das dufte ich nicht mehr machen, zu groß ist der Schmerz, alles zu verdrängen. Also hab ich mich der Realität gestellt, und meine Gedanken ausgesprochen. Es war vielleicht etwas schwer, für sie, doch ich musste es tun, damit ich auch meine Ängste bereden konnte. Und im Nachhinein bin ich sehr froh gewesen, dass ich diesen Schritt getan hatte. Ich wurde auch von meinem Freunden mehr oder weniger dazu gezwungen, da sie mich kannten und ich nie direkt meine Sorgen erklärte. Nun sind wir uns einig, dass ich einer guten Freundschaft nicht im Wege stehen will, mehr ist jedoch zur Zeit für mich nicht möglich, da ich erst über meine Gefühle ins klare kommen möchte. Denn meine Sympathien zur anderen Frau sind zu stark, dass ich sie einfach vergessen könnte. Ich möchte sie auch einmal kennen lernen, um sie direkt zu erleben. Vielleicht bin ich auch gar nicht ihr Typ, ich weiß es nicht, das wird die Zukunft zeigen. Und ich möchte auch nur, dass man ehrlich zu mir ist. Und wenn es auch nur eine gute Freundschaft wird, denn wahre Freunde kann man nie genug haben. Vielleicht bin ich auch immer etwas voreilig, aber das muss ich dann auch noch lernen. In der Einsamkeit, in der ich mich befinde, denkt man halt immer anders, als man soll. Ich kann meine Zukunftsängste nun mal nicht verbergen. Am 9.5.03 dann konnte ich endlich meine Gegenstände, die ich noch im Haus zurückgelassen hatte, und nicht mehr herausholen durfte, da sie ein Betreten des Hauses mir gerichtlich untersagt hatte, mitnehmen. Diesen Termin hatte Thomas mit ihr, auf mein Drängen hin abgemacht. Leider hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt immer noch keine Unterhaltszahlung bekommen. Sie blockt alles ab, was mir ein Schritt in ein eigenes Leben verhelfen könnte. Sollte es doch irgendwann einmal zur Auszahlung aus dem Haus kommen, so wird wohl das gesamte Geld in Strafgebühren und Anwaltskosten draufgehen. Also bin ich dann wieder bei Null, und habe nichts mehr um eine neue Zukunft aufzubauen. Also werde ich doch irgendwann einmal in der Gosse landen, so wie es mir wohl einige schon früher wünschten, wenn ich nicht endlich die Kraft gewinne, die ich benötige um zu überleben. Vielleicht kommt ja irgendwann jemand, dem ich wieder vertrauen kann, und der mich auf meinen weiteren Wegen begleiten möchte. Bis dahin muss ich das Vertrauen in die Gesellschaft wieder gefunden haben. Auch wenn es ein schwerer Weg für mich werden wird, da ich momentan nur das negative im Menschen sehe und nicht das Gute in ihm. Am 31.5.03 soll ein Treffen der Chatfreunde stattfinden, jedoch weiß ich nicht, ob ich daran teilnehmen soll, auch wenn ich gerne neue Leute treffen möchte, ist die Angst noch da, viele Personen um mich herum zu haben. Auch wenn ich sie alle bisher als sehr nett eingestuft hatte, weiß ich nicht, wie ich mich verhalten soll. Außerdem kann ich mir eigentlich das gar nicht leisten, da ich ja pleite bin. Ich hatte es heute wenigstens mal geschafft, Wohngeld zu beantragen, auch wenn man mir da keine große Hoffnung gemacht hatte.

 

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9.) Kapitel     - Eine Wende –

 

 

Leider kommt im Leben nicht alles so, wie man es sich vorstellt. Ich habe nun beschlossen, mich auf ungewisse Zeit vom Chat zu distanzieren, da man mir klar gemacht hat, dass ich wohl Chat und Realität nicht unterscheiden kann. Nur ist es halt am 15.05.03 zu einem kleinen Zwischenfall gekommen. Ich hatte mich an diesem Tag im Chat deaktiviert. Ein Grund war auch, dass ich auf einmal bemerkte, wie ich mich in jemanden verrannt hatte, der eigentlich nur eine Freundschaft wollte. Und bevor die ganze Sache zu kompliziert für mich geworden wäre, hatte ich den Weg der Deaktivierung aus dem Chat gewählt. Auch hatte ich meine Homepage neu gestaltet. Gegen Mittag wollte ich dann eine kleine Tour mit dem Fahrrad machen. Jedoch hatte ich nicht damit gerechnet, dass viele aus dem Chat sich Sorgen um mich machten. Aufgeregt riefen sie bei meinem guten Freund an, der nur 5 km von mir entfernt wohnte, da ich über mein Telefon nicht erreichbar war. Ich hatte nämlich zu Hause eine Rufumleitung auf mein Handy geschaltet. Jedoch war mein Akku unterwegs leer, und ich somit nicht erreichbar. Immer wieder kam auf allen Leitungen nur ein besetzt. Man machte sich schon Gedanken darüber, ob ich mir etwas angetan hatte. Schließlich kannte ja jeder meine Vergangenheit. Jedenfalls kam ich erst dahinter, als ich gegen Abend wieder zu Hause ankam und dort schon von einem Freund erwartet wurde. Er erklärte mir sofort was alles vorgefallen war, und dass sich einige Sorgen um mich gemacht hatten. Auf der einen Seite war es schon ein gutes Gefühl, dass man doch noch gemocht wurde und dass andere sich Gedanken um mich gemacht hatten, auf der anderen Seite war es für mich irgendwie peinlich, mich in so eine Situation hinein gebracht zu haben. Ich habe dann die Sache wieder klarstellen können. Jedoch hatte ich dabei festgestellt, wie viele Freunde ich gefunden hatte. Auch musste ich eingestehen, dass ich immer wieder versuch mich auf irgendeiner Art wieder neu zu binden, da ich einfach nicht mit dem Alleinsein klarkomme. Sobald ich eine gute Freundin gefunden hatte, versuchte ich immer sofort eine Beziehung anzufangen. Das war ein großer Fehler von mir. Doch das musste ich unbedingt ändern. Und ich würde es schaffen.

Als ich jedenfalls am 17. und 18.05.03 bei einem Schützenfest in der Nähe die Sanitären Anlagen reinigte, etwas muss ein Mensch doch machen zum überleben, wurde ich dazu überredet in den Verein einzutreten. Schließlich haben meine Freunde mir auch geraten, mal wieder Bezug zur Öffentlichkeit zu nehmen. Somit bin ich wieder in einem Verein. Es ist auch ein gutes Gefühl zu einer größeren Gruppe wieder dazuzugehören. Auch hatte es meine „noch“ Frau geschafft mich anzurufen um mir mitzuteilen, dass es in meinen finanziellen Angelegenheiten voran geht. So langsam scheint sich wirklich alles doch noch zum Guten zu wenden. Vielleicht tritt auch noch eine Wende für meine Angelegenheit mit dem Führerschein ein, dass ich ihn doch noch wieder bekomme. Dann habe ich auch eine Chance wieder eine Beschäftigung zu finden.

Meine Freude liegt vor allem dabei, dass ich weiß wer meine Freunde sind, allzu oft habe ich mich gefragt, wie es gewesen wäre, wenn sie nicht an meiner Seite gewesen wären.

Ich unternehme auch sehr viel mit diesen Freunden, da es einfach Spaß macht, wieder am Leben teilnehmen zu können. Auch hoffe ich irgendwann mal wieder jemanden an meiner Seite zu haben, da das Alleinsein sehr schmerzt. Nur weiß ich nicht, wie lange meine Kraft noch anhält um das alles zu überstehen. Auch der ganze Kampf, den ich gegen meine Frau führen muss, schwächt mich. Manchmal weiß ich wirklich nicht, von was ich leben soll, denn mit 190 Euro im Monat kommt man nicht weit. Hauptsache Ihr geht es gut und dass sie sich amüsieren kann. Mein Leben ist wohl sowieso nicht mehr viel wert. Nun musste ein guter Freund wieder nach Twistringen, wer weiß, vielleicht sollte ich da auch wieder hin, denn ich habe so manchmal wieder das Gefühl, dass es doch besser ist nichts mehr mitzubekommen.

Ich schaffe es einfach nicht über alles hinwegzukommen, also bleibt eigentlich nur ein Ausweg!?

 

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10.) Kapitel   - Ein neuer Versuch –

 

 

Am 25.11.03 ging ich denn zu einer psychosomatischen REHA nach Bad Kissingen, die ich bei der LVA angeordnet bekommen habe, da ich vom Arbeitsamt als nicht mehr vermittelbar eingestuft worden bin. Doch was sollte mir das alles bringen? Ich fühlte mich einfach mal wieder am Ende. Doch ich wollte einfach nicht aufgeben und startete einen neuen Versuch mich zu fangen. Es ging morgens um 7:50h mit dem Bus los und kamen gegen 15:30h in Bad Kissingen an. Im Bus schloss ich schon die ersten Bekanntschaften und fand, dass alle sehr nett waren. Es war zwar nicht meine erste REHA, doch ich musste mich wieder auf eine neue Situation einstellen. Alles neue Gesichter, die ich erst kennen lernen musste. Die ersten Tage waren sehr langweilig für mich und wir hatten innerhalb unserer Gruppe oft Probleme. Wir kamen einfach nicht richtig miteinander aus und mussten dies deshalb immer wieder in Gruppensitzungen diskutieren, die eigentlich für unsere eigenen Probleme gedacht waren. Aber wir lösten dieses Problem doch bald.

Der 5. Dezember stand vor der Tür. Mein 40. Geburtstag. Mir graute davor den alleine zu verbringen fernab von zu Hause, wo schließlich noch ein paar wenige Freunde waren.

Die Überraschung war groß, als fast alle, mit denen ich Kontakt geschlossen hatte, an diesen Tag dachten. Ich konnte meinen Tränen nicht mehr widerstehen. Da hatten doch fast 20 Leute an mich gedacht und mir einen fantastischen Geburtstag bereitet. Ich bekam ca. 30 Geburtstagskarten mit Glückwünschen, soviel wie noch nie an einem meiner Geburtstage. Da merkte ich das Gefühl wieder in mir, gemocht und beliebt zu sein. Auch wenn ich die letzten Monate zu Hause immer mehr abgesackt war und langsam den Bezug zur Realität verlor, ohne dass ich es wirklich bemerkte. Aber nun sollte es wieder nach oben gehen. Ich hatte neue Freunde gefunden.

Am 9. Dezember kam ein Bus mit neuen Mitpatienten an. Zuvor hatte ich die Patenschaft für Neuankömmlinge angenommen. Das ist ein guter Brauch dort, da ich selbst einen so genannten Paten hatte, der mir alles über und in der Klink zeigte. Jedenfalls hatte ich drei Patenschaften. Drei Frauen. Als ich jedoch eine davon sah, wusste ich sofort, wer da vor mir stand. Meine ehemalige Nachbarin Bärbel. Ich erklärte allen die Klinik und zeigte was sich wo befand. Bärbel hatte ein Zimmer welches nur zwei neben meinem lag. Wir freundeten uns sofort an. Von diesem Tage unternahmen wir sehr viel. Wir wanderten durch die Berge und sahen uns Sehenswürdigkeiten an. In Bad Kissingen gab es schließlich viel zu sehen und erleben. Immer mehr kamen wir uns näher und wir stellten auch viele Gemeinsamkeiten fest. Doch es war nur eine Zuneigung, die ich für sie empfand. Mehr nicht. Was mir jedoch nicht gefiel, das war die psychologische Betreuung dort.  Zuwenig Gespräche und Therapien waren angesagt. Eigentlich traurig, für eine Spezialklinik. Mag sein, dass es daran lag, dass ich dort über die Feiertage war, doch dass darf nicht passieren.

Viel mehr gibt es über den Aufenthalt dort nicht zu berichten, außer, den Besuch von Irmgard und Jens am 2. Weihnachtstag, über den ich mich sehr freute. Jedenfalls bekam ich noch einen Verlängerung von 2 Wochen. Nun waren aus den anfänglichen 6 Wochen, 8 Wochen REHA geworden, die mich eigentlich nur körperlich fit gemacht hatten. Alles was mit psychischen Dingen zu tun hatte, habe ich selber therapiert. So traurig es auch klingt. Da wo ich heute stehe, habe ich ausschließlich meinen Freunden zu verdanken, die immer zu mir gestanden haben, wie schlecht es mir auch ging. Leider habe ich feststellen müssen, dass ich mich nur meine Freunde bemüht hatte, als ich Probleme und Sorgen hatte. Selten , wenn es mir gut ging. Ich hätte mich öfters bei Ihnen melden sollen, was ich nicht tat, warum auch immer. Doch das wollte ich auch ändern, wie so vieles in meinem Leben. Die Entlassung kam näher und ich bin fast umgefallen, als mir Bärbel erzählte, ich solle zu Ihr ziehen. Was war wieder passiert. Hatte ich etwas nicht mitbekommen? Wir waren doch nur sehr gute Freunde, oder nicht? Alles drehte sich bei mir. Ein zusammenziehen war für mich undenkbar, da ich nur Zuneigung und keine Liebe empfand. Vielleicht wäre ja eine Liebe daraus geworden, aber nicht zu diesem Zeitpunkt. Bisher hatte ich schließlich nur einmal in meinem Leben wirklich geliebt und diese Liebe auch geheiratet. Aber das ist Vergangenheit und soll es auch bleiben. Der Tag der Entlassung war gekommen. Der 20. Januar 2004. Mit gemischten Gefühlen ging es auf die Heimreise. Auf der einen Seite war ich froh darüber, dass ich wieder nach Hause kam und auf der anderen Seite, hatte ich Freunde gefunden und Spaß gehabt, die ich vielleicht nie wieder sehen werde. Doch so geht’s im Leben nun mal, nicht immer ist alles so, wie man es sich wünscht. Zuvor hatte ich bereits Jens Bescheid gesagt, der mich in Delmenhorst vom Bahnhof abholen wollte. Nun musste ich wieder durch Delmenhorst. Jedes Mal habe ich ein flaues Gefühl im Magen, wenn ich in Delmenhorst bin, meiner alten Heimatstadt, aus der ich geflohen bin, wie ein Flüchtling.

Ich musste noch etwas warten, dann fuhren Jens und ich in meine Wohnung, die, oh Schreck, ja nicht mehr mir allein gehörte. Ich hatte aus finanziellen Gründen zwei Zimmer untervermietet während meiner Abwesenheit, waren sie am 1. Januar dort eingezogen.

Wie sah es da aus? Ich mochte gar nicht daran denken. Irmgard und Jens erzählten mir schon im Vorfeld, wie es da aussah. 1944 Ardennen, war nichts dagegen. Ich betrat die Wohnung und war den Tränen nah, als ich sah, was aus meiner so ordentlich verlassenen Wohnung passiert war. Ich hatte nur noch ein Zimmer zur Verfügung, welches ich mir nach mühsamen Stunden, so eingerichtet hatte, dass ich auch dort schlafen konnte. Ich befand mich im Chaos und das war noch untertrieben. Aber ich konnte mir die Wohnung nun mal nicht mehr leisten, also musste ich etwas unternehmen, um nicht unter einer Brücke schlafen zu müssen.

Doch es war nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte alles an Rechten irgendwie verloren in der Wohnung. Alles von mir, oder was mir gehörte wurde in Beschlag genommen und ich stand nun allein in meinem Zimmer da und musste weinen, wie tief ich doch gesunken war. Mir wurde auch vorher gesagt, dass die Leute nicht die richtigen waren, die da einzogen, doch ich war blind und glaubte immer nur an das Gute im Menschen. Wieder einmal wurde ich eines besseren belehrt und musste nun die Konsequenzen tragen, für das, was ich monatelang habe schleifen lassen. Warum habe ich mich nur so gehen lassen in alle der Zeit. Alles war mir auf einer Weise gleichgültig geworden. Doch irgendwann musste das endlich ein Ende haben. Mit Bärbel habe ich mich denn noch einmal in Bremen drei Tage nach der Entlassung getroffen und Ihr erklärt, dass es mir alles zu schnell ging. Es war auch nicht einfach für mich, diese Worte zu sagen, da ich merkte, wie sie es traf, doch was nicht geht, das geht halt nicht. Was ich eben suche ist eine Beziehung, das stimmt schon, aber auch hier muss die Chemie stimmen, wie man so schön sagt und die stimmte nun mal nicht. Also habe ich mal wieder einen Kontakt zu einer Frau beendet. Letztendlich haben wir uns doch geeinigt und in gegenseitigem Einverständnis den Kontakt abgebrochen. Wir hatten eine schöne Zeit, doch in einer REHA ist irgendwie alles anders als in der Wirklichkeit. Man hat Probleme und Sorgen, weswegen man da hingefahren ist und wenn man dort Nähe bekommt, was man schon lange nicht mehr gehabt hat, denn setzt man schon einmal die rosa Brille auf und sieht nichts anderes mehr. Somit hätte ich dieses auch abgeschlossen. Vielleicht hätte noch eine gute Freundschaft daraus werden können, doch vielleicht ist es auch besser so.

Nachdem ich nun wieder alles soweit in meiner Wohnung im Griff hatte und mein Zimmer, was mir blieb soweit eingerichtet hatte, dass ich mich darin wohl fühlte, ging ich auch wieder in den Chat, den ich eigentlich die letzten 8 Wochen gar nicht vermisst hatte. Es gibt auch ein Leben außerhalb des Chats, was ich fast nicht mehr wahrnahm. Nur durch die Hilfe meiner mir übrig gebliebenen Freunde, hielt ich mich über Wasser, auch wenn ich sie nur angerufen hatte, wenn ich Hilfe benötige, was sicherlich nicht fair von mir war. Doch auch das wollte ich ändern, wie so vieles. Ich musste nur noch einen passenden Weg finden. Ich war nun zwar nicht mehr allein in der Wohnung, doch einsam war immer noch, was viel schlimmer war. Ich verbrachte also wieder Stunden im Chat um mich von allem abzulenken, was um mich geschah.

Dazu kam noch, dass ich wieder nach Oldenburg ging und mir sagen lassen musste, dass ich wieder einen Ausbruch der Krankheit hatte und sich ein neuer Tumor gebildet hatte. Alles schien vorbei zu sein. Die Lebenslust fiel senkrecht nach unten. Nur Freunde machten mir neuen Mut. Ich sollte also wieder Bestrahlungen bekommen, die ich gut kannte und hoffte, diese nie wieder bekommen zu müssen.

Doch es passierten immer wieder Dinge, die ich nicht so recht verstand. Ich wurde von anderen darauf aufmerksam gemacht, dass ich Dinge machte, die ich eigentlich nie wollte und an die ich mich nicht mehr erinnern konnte.

Ging es wieder so los, wie damals?? Ich verletzte die, welche ich am meisten brauchte..... meine Freunde. Doch wie kam es dazu? Mir war nicht bewusst, wie schlimm es mit mir stand. Also suchte ich die Hilfe wieder an professioneller Stelle. In der Psychiatrie. Ich fuhr dort mit Jens hin um mit einer Psychologin zu reden. Diese riet mir gleich einen stationären Aufenthalt dort. Doch ich kann dies noch nicht, da meine Mieter noch nicht ausgezogen sin. Also frühestens im Juli. Solange muss ich sehen, dass ich nicht zu sehr abfalle, was mir sehr schwer fällt. Ich bin auch wieder auf meine Psychopharmaka angewiesen, da ich wirklich mir sonst nicht mehr traue. Zu oft denke ich über ein Ende nach. Nur der Gedanke an meine Freunde, die mir noch geblieben sind, hält mich am Leben. Ich hoffe auch diese Freunde weiterhin zu halten zu können.

Deswegen werde ich nun meinen Weg gehen und mich alsbald wieder in stationäre Behandlung begeben um doch noch irgendwann ein neuer Mensch zu werden.

 

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11.) Kapitel   - Der Rückfall –

 

 

Meine Probleme wurden immer größer. Ich wusste langsam nicht mehr was ich mit mir anfangen sollte. Wie ein Eremit zog ich mich immer mehr zurück in meine 4 Wände. Die Einsamkeit war mein größtes Problem. Allein und einsam. Dafür bin ich einfach nicht geschaffen. Meine kleine Hoffnung war, den Gerichtstermin zu gewinnen und dass ich wenigstens einen kleinen Unterhalt dazubekomme, da ich sonst nicht mehr weiß, wie es finanziell mit mir weitergehen wird. Der Tag der Entscheidung rückte immer näher. Der Ausgang der ganzen Sache war, dass ich die Sache haushoch verlor, da die Dokumente, die mir zugesandt worden, wobei ich dachte, sie wären von der Rechtsanwaltseite angefordert worden, wohl gefälscht waren. Na klasse dachte ich, als mir der Richter nun auch noch mit Staatsanwalt drohte. Was war nur passiert? Meine Gedanken gingen schon so weit, dass sie dass alles eingefädelt hat, um mir zu schaden. Hass kam wieder in mir hoch, als ich vor die Entscheidung kam, ob ich den Antrag auf Unterhalt zurückziehe, oder die Atteste an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden. Sie hatte es mal wieder geschafft, mich fertig zu machen. Also zog ich auf anraten meines Anwaltes den Antrag zurück. Die Möglichkeit, die ich nun habe, ist ein graphologisches Gutachten, das beweist, dass die Dokumente nicht von mir waren. Jedenfalls war dies ein Tag, der mich total abstürzen ließ. Es brach mal wieder die gesamte Welt in mir zusammen. Dazu kam noch, dass ich Schmerzen in der Brust hatte und schon gedacht hatte, die alte Pumpe setzt hoffentlich bald aus, damit ich Ruhe hab. Es war mittlerweile wieder so schlimm, dass ich an einen Abschied dachte. Alles Mögliche stieg mir durch den Kopf. Das wie und wann. Doch da waren noch Freunde, die immer zu mir gehalten hatten, die konnte ich doch nicht so enttäuschen. Ich steckte in einem Zwiespalt, den ich gar nicht wollte. Da ich einen Tag später sowieso einen Termin bei meiner Psychologin hatte, war mir klar, was passieren musste. Ich ließ mich wieder in die Psychiatrie einweisen. Der letzte Ausweg, da ich mich selbst nicht mehr unter Kontrolle hatte und einem Suizid sehr nahe stand. Jens mein bester Kumpel brachte mich also zum Termin und dort war auch meiner Psychologin gleich klar, wie es um mich stand. Ich sollte also einen Tag später wieder stationär in der Psychiatrie in Twistringen aufgenommen werden. Die Nacht konnte ich so gut wie nicht schlafen, zu viele Gedanken hatte ich im Kopf. Morgens kam dann das bestellte Taxi und brachte mich nach Twistringen. Gegen 10:00h etwa kam ich da an, durchlief die Aufnahme und kam dann dort auf die Station 1 der Psychiatrie. Dort hielt ich mich immerhin 1,5 Std. auf, bevor ich dort einen Herzanfall bekam und sofort auf die innere Medizin verlegt wurde. Dort kam ich dann gleich auf die Intensivstation. Es wurde festgestellt, dass ich eine verschleppte Rippenfellentzündung, sowie eine Entzündung im Herzen hatte, wobei im Herz auch noch Wasser festgestellt wurde. Ich muss ja zugeben, dass ich etwas leichtsinnig mit meiner Gesundheit umgegangen bin, da ich etwa 2 Jahre nicht beim Kardiologen gewesen war. Dies war nun das Ergebnis von meinem Raubbau mit meiner Gesundheit. Vielleicht war es auch ein Wink des Schicksals, denn wäre das zu Hause passiert, hätte ich wohl kaum eine Chance gehabt. Jedenfalls lag ich nun hier und wurde beobachtet. In der Nacht hatte ich dann auch noch einen Herz- und Atemstillstand, von dem ich nichts bemerkte, erst als ich wach wurde und zwei Ärzte und mehrere Schwestern um mich um zu standen. Jedenfalls hatte ich die nächsten Tage immer wieder ein Kammerflimmern in der Nacht, doch die Ärzte waren ratlos, woher das kam. Es wurde dann auch noch ein Techniker der Firma Guidant gerufen, der meinen Defibrillator überprüfen sollte. Doch da kam heraus, dass er die letzten Tage nicht ausgelöst hatte, zwar wurde festgestellt, dass er in den letzten zwei Jahren 74 mal ausgelöst hatte, doch das hab ich nie bemerkt. Nun bekam ich jedenfalls über einen Tropf ein Antibiotikum alle 8 Stunden. Nach 14 Tagen wurde es abgesetzt, da meine Beschwerden besser wurden. Mittlerweile kam auch die Entlassung von der Inneren Medizin in Frage und wie es weitergehen soll. Psychisch ging es mir jedenfalls wieder besser und so machte ich den Vorschlag, nach der Entlassung von der inneren nach Hause zu können, da erst Mitte Dezember ein Platz in der Tagesklinik frei werden soll. Deswegen wollte ich nicht erst noch die ganze Psychiatrie durchlaufen, da es mir ja schließlich wieder etwas besser ging. Das einzigste, was noch ist, dass ich nachts schlecht schlafe, deswegen soll ich noch ins Schlaflabor, was auch immer dabei rauskommt. Jedenfalls wurde ich am 22. November von der inneren entlassen. Nach einem Gespräch mit meiner Psychologin, war ich der Meinung, dass es mir wieder besser ging und ich somit auf einen weiteren Aufenthalt in der Psychiatrischen Abteilung verzichten kann. Was sich jedoch später als einen Fehler herausstellte. Ich ließ mich abholen und freute mich auch wieder auf zu Hause. Die Woche hatte ich viel zu tun. Wäsche waschen und saubermachen, was halt so nach 3 Wochen alles anfällt. Das folgende Wochenende verbrachte ich bei einer Bekannten, was mir auch gut tat. Ich hatte viel Spaß und konnte auch mal lachen. Montags jedenfalls fuhr ich wieder nach Hause. Da ich nachmittags einen Termin bei meiner Rechtsanwältin hatte und ich mich etwas müde fühlte, legte ich mich hin. Was dann passierte, entzieht sich jeglicher Kenntnis. Jedenfalls wachte ich am 2. Dezember auf der Intensivstation in Delmenhorst wieder auf. Nur wusste ich nicht wer ich war, noch wo ich mich befand. Alles war ein schwarzes Loch. Es war ein scheiß Gefühl. Meine Bekannten besuchten mich zwar, doch ich erkannte keinen. Nach geraumer Zeit kamen einige Erinnerungen wieder. In der Zwischenzeit wurde ich nach Wehnen in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Ich fühlte mich einsam und verlassen. Als mir dann endlich klar wurde, was alles passiert war wusste ich nicht, wie es weitergehen soll. Bein bester Freund hatte mich zu Hause gefunden, nachdem ich eine Überdosis an Tabletten zu mir genommen hatte. Doch wie konnte es soweit kommen. Ich hatte doch eigentlich gar keinen Grund dazu. Jedenfalls musste ich nun erst einmal mit der Situation klarkommen. Das schlimmste war, wie soll ich meinen Bekannten gegenübertreten. Schließlich hatte ich sie alle aufs tiefste enttäuscht. Nun saß ich hier allein in der Psychiatrie und hatte nicht einmal Wäsche zum wechseln, da man mich auf die schnellste Weise von Delmenhorst überwiesen hatte. Jetzt musste ich mit Ihnen in Kontakt treten und wusste nicht wie. Irgendwas musste mir einfallen. Nach zwei Tagen jedenfalls bekam ich Wäsche, nachdem ich den Sozialdienst gebeten hatte mit meinen Bekannten in Kontakt zu treten, um zu fragen ob sie mir was bringen konnten. Als sie meine Sachen brachten, sah ich sie kurz, doch sie wollten wohl mich nicht sehen, was sehr schmerzhaft war und auf der anderen Seite ich sie auch voll verstand. Also machte ich mir klar, dass ich nun keinen mehr hatte und in Zukunft alleine klarkommen musste. Ich hatte es auch nicht anders verdient. Es war eine schlimme Zeit dort auf der geschlossenen. Ich durfte nur zweimal am Tag für eine Stunde raus und das nur in Begleitung eines Pflegers. Nach zwei Wochen kam ich dann auf eine offene Station. Nun konnte ich jedenfalls mal alleine raus und konnte etwas spazieren gehen. Nachdem ich mir endlich ein Herz gefasst hatte und Jens, meinen besten Freund angerufen hatte, machten wir einen Termin am Wochenende, wo sie mich besuchen wollten, damit wir reden konnten. Ich musste mich bei allen entschuldigen, für das, was ich getan hatte. Auch wenn es nicht grade einfach war. Der Tag kam und war aufgeregt wie selten in meinem Leben. Es war ein schweres Gespräch, doch am Ende, als ich mich entschuldigte, war mir klar gemacht worden, dass dies meine letzte Chance war um wieder auf die Beine zu kommen. Ich hatte mir nun vorgenommen, von nun an über alles zu reden und nichts mehr zu verheimlichen. Dies hatte ich schließlich in der letzten Zeit viel zu oft getan um mich immer besser darzustellen, als ich es in Wirklichkeit war. Wir hatten auch alle zusammen mit dem Stationsarzt ein Gespräch, bei dem viel über mich herauskam. Vieles kann ich bis heute nicht verstehen, wie es so weit kommen konnte, dass ich nicht grade anständige Sachen machte, die ich hinterher bitter bereuen musste. Ich bekam also noch eine Chance bei meinen Bekannten und musste diese Gelegenheit wahrnehmen. Es durfte nie wieder so weit kommen. Es ging mir auch langsam besser. Ich verbrachte Weihnachten in der Klinik und Sylvester bekam ich Heimaturlaub und verbrachte den Jahreswechsel bei meiner Bekannten. Auch Kerstin hatte mir soweit verziehen als ich mich mit Ihr aussprach. Ein anderes Wochenende wiederum verbrachte ich mit Irmgard und Jens, wo wir abends noch essen gingen, zu dem ich eingeladen wurde. Alle waren so nett zu mir, obwohl ich eigentlich alle so schwer enttäuscht und belogen hatte. Von nun an sollte alles besser werden. Jedenfalls wurde ich dort am 2. Februar 2005 entlassen und trat dann am 4. Februar in der Tagesklinik in Twistringen an. Nun begann meine Psychotherapie. Die Mitpatienten waren alle ganz nett und ich lebte mich dort auch schnell ein. Ich musste auch damit klarkommen, dass ich von nun an abends zu Hause war und nur Tagsüber in der Klinik war. Dies fiel mir zum Glück nicht ganz so schwer, da eine Bekannte von mir, die in der Zwischenzeit eine neue Stelle antrat, bei mir übergangsweise wohnte. Somit war ich jedenfalls abends nicht ganz alleine. Trotzdem merkte ich, als ich die ersten Belastungstage frei hatte, dass es mir sehr schwer fiel, mich irgendwie zu beschäftigen. Also wurde diese auch bald wieder gestrichen. Nun stand Ostern vor der Tür und ich erwartete die 4 freien Tage mit großer Sorge. Ich hatte auch die Tage nicht das Haus verlassen. Am Ostermontag dann wurde ich von meinen Bekannten zum Kaffeetrinken und Abendessen eingeladen. Es war ein toller Tag. Wir machten auch noch einen Spaziergang und am Abend brachten sie mich wieder nach Hause. Auch wenn es mir vom Gefühl nicht so gut ging, machte ich immer irgendwie das Beste daraus. Mittlerweile habe ich den Entlassungstermin bekommen. Es ist der 20. April. Ganz wohl ist mir zwar bei dem Termin zwar nicht, doch irgendwann muss ich ja wieder in den Alltag übergehen. Ich habe nun auch eine Betreuerin vom Sozialpsychologischen Dienst bekommen. Also habe ich in Notfällen nun jemanden, um Hilfe zu bekommen. Außerdem habe ich beschlossen, meine Unterhaltsforderungen nicht wieder anlaufen zu lassen. Ich möchte einfach meine Ruhe haben und leben. Ich bin einfach des Kämpfens müde geworden. Außerdem hab ich sowieso keine Chance, auch wenn mir was zustehen sollte. Jedenfalls leb ich nun so vor mich hin und zähle die Tage, die an mir vorbeirauschen. Immer wieder gespannt auf Dinge, die mich wieder zurückwerfen.

Am 18. Juli 2005 starb denn auch langer Krankheit mein Stiefvater an Krebs. Genau wie meine Mutter. Auch wenn ich nicht immer das beste Verhältnis zu Ihm hatte, so war das doch sehr schmerzhaft für mich. Bei der Beerdigung hatte ich jedenfalls das Gefühl nicht so richtig erwünscht zu sein. Was soll's, ich bin's ja gewohnt von allen Seiten verstoßen zu werden. Vielleicht bin ich ja der nächste. Jedenfalls wurde ich zur Urnenbestattung nicht mehr eingeladen. Das sagt ja schon vieles. Ich gebe ja ehrlich zu, dass ich mir das manchmal wünsche, morgens nicht mehr aufzuwachen. Denn für was soll das Leben nun noch gut sein. Ich kann nicht mehr arbeiten, bin Frührentner und ziemlich einsam. Da beginnt wieder für mich die altbekannte Suche nach dem Sinn des Lebens und für was noch. Na ja, ein paar Freunde hab ich ja noch, doch die können mir nun mal nicht das geben, wonach ich mich sehne. Aber ich bin froh, dass wenigstens überhaupt noch jemand da ist, mit dem ich reden kann. Nun ja, meine Psychologin hab ich auch noch. Die würde mich jedenfalls gerne in der Klinik sehen. Ist auch verständlich, nachdem, was ich alles getan habe und mir passiert ist, ist es wohl besser irgendwo weggeschlossen zu sein, für den Rest meines verkorksten Lebens. Ich hab nun wenigstens einen kleinen Nebenjob angenommen, um mich etwas finanziell zu bessern, doch muss ich mich da jeden Tag aufs Neue dazu zwingen, da mir momentan zu allem die Lust fehlt. Ich weiß zwar, dass das alles an den Depressionen liegt, doch soll das so bis zum bitteren Ende weitergehen? Na Danke, darauf kann ich auch verzichten.

 

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12.)  Kapitel   - Der Weg –

 

 

Nun hat sich mittlerweile eine neue Änderung ergeben.

Ich bin nun in einer Theatergruppe mit dem Namen "Twist-A-Gang". Dies ist eine Theatergruppe mit Masken, die sich aus ehemaligen Patienten sowie Therapeuten des Twistringer St.-Annen-Stift, ein Fachkrankenhaus für Psychiatrie, zusammensetzt. Die Mitarbeit macht sehr viel Spaß. Eigentlich wollte ich nur als Hilfe hinter der Bühne arbeiten, doch durch den Ausfall eines anderen, kam ich schneller auf die Bühne, als ich erwartet habe. Somit hab ich nicht nur eine neue Freizeitbeschäftigung, sondern auch noch neue Freunde gefunden, die alle sehr nett sind und auch einen verstehen, wenn's einem schlecht geht. Zwei Aufführungen hab ich jetzt schon hinter mir und eine weitere steht bevor. Ich freue mich schon darauf. Auch wenn ich manchmal immer noch meine Phasen habe, so kann ich mittlerweile immer besser damit umgehen. Auch hab ich nun, was meine psychische Krankheit betrifft, neue Erkenntnisse bekommen. Ich habe vielleicht die Borderline - Persönlichkeitsstörung. Alles was ich bisher darüber gelesen hab, bestärkt sich in dem, was in den letzten Jahren passiert ist. Das alles würde auch meine Wutausbrüche in der Beziehung erklären. Nun kommt auch wieder der Gedanke, dass, wenn ich viel, viel früher in Behandlung gegangen wäre, nicht alles schief gelaufen wäre. Jedoch ist das nun Vergangenheit und die soll ich ja bekanntlich ruhen lassen. Aber vielleicht kann ich dadurch mein weiteres Leben und auch vieles andere verstehen. Ich hoffe nun, dass meine Zukunft rosiger sein wird, als es in der Vergangenheit war. Jedenfalls hab ich so wieder neuen Mut gefunden, da ein Teil meiner neuen Freunde die gleiche Krankheit haben. So kann ich eventuell auch noch etwas lernen, wie man damit umgeht.

Ich bin sehr zufrieden, wie es mit der Gruppe läuft. Viele Termine und noch mehr Spaß. Leider bin ich immer noch allein und habe keinen Partner an meiner Seite. Aber vielleicht bin ich das auch nicht wert. Habe mich aber mittlerweile der Einsamkeit hingegeben und mich damit zurechtgefunden. Es soll wohl nicht sein und es ist vielleicht besser so. Ich weiß auch nicht, ob ich jemals wieder einer Frau das Vertrauen geben kann um eine Beziehung einzugehen. Für mich sind Freunde wichtiger geworden als Beziehungen. Eine Freundschaft kann ein Leben lang anhalten und eine Beziehung ist da nie sicher, wie ich es selbst erlebt habe. Deshalb werde ich so schnell auch nicht in eine neue Beziehung eingehen können, die mir wehtun kann.

Am 14.09.2006 wurde ich Radiomoderator in einem Internetradio. Eine bekannte aus dem Internet hatte mich auf diesen Sender angesprochen, damit ich mal andere Leute kennenlerne. Da darin ein Chat enthalten war, klappte dies auch.

Doch dann bekam ich auch Lust zum senden und bewarb mich dort. Sehr schnell war ich in der Testsendung drin und dann auch schon fest im Team. Es macht mir wirklich sehr viel Spaß dort.

Dann passierte es wie aus heiterem Himmel. Im Team war auch eine nette junge Frau, deren Stimme mich von Anfang an verzauberte. Ich musste sie einfach näher kennenlernen. Nur wie, das war mir noch nicht klar. Aber durch einen Zufall hatten wir dann doch plötzlich Kontakt gehabt. Wir schrieben viel über unser Leben und vertrauten einige Geheimnisse dem anderen an. Ich kann mit Gewissheit sagen, dass ich in meinem Leben noch nie so gut verstanden wurde, wie von Sandra. Denn so war ihr Name. Sandra kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Die Beschützerin". Sie ist 23 Jahre alt und wohnt in Hemsbach, einem Ort in Baden-Württemberg, direkt an der hessischen Grenzen. Alles passt ja wunderbar. Genauso wunderbar ist sie. Ich hatte mich doch wieder meines Willens verliebt. Doch irgendwie ist bei Sandra alles anders. Sie ist einfühlsam, hat Humor und liebt wie ich viel Romantik, wie zum Beispiel Kerzen. Doch es gibt auch so seine Schattenseiten im Chat. Alles fing an, als eine Ramona dort im Chat mit mir plauderte. Ich dachte mir auch nicht viel dabei, da ich ja immer höflich war und mir die Sorgen andere angehört hab. Doch hier gerät alles aus dem Ruder. Eines Tages stand sie vor meiner Haustüre. Ich stand da wie der Ochs vorm Berg. Was war passiert? Sie sagte mir, wie sehr sie sich im mich verliebt hatte. Oh Gott. Was hab ich gemacht? Ich war mir keiner Schuld bewusst. Also erklärte ich Ihr, dass es nichts wird und sie möge doch wieder nach Hause reisen. Schließlich hatte ich ja bereits einen Schatz, den ich nicht wieder hergeben will. Doch das konnte ich Ihr nicht sagen, denn ich hatte es ja nicht einmal Sandra gesagt. Doch der richtige Zeitpunkt wird schon kommen. Zwischenzeitlich kam noch eine andere Frau dazwischen. Sabine hieß sie. Allein der Name machte mir schon Kopfzerbrechen. Und genauso sollte es sein. Ich weiß nicht ob ich hier Frau oder Dame sagen kann, deswegen nenn ich sie einfach mal „Individuum“. Das passt nämlich besser zu Ihr. Auch diese machte mir mehrdeutige Angebote. Ich lehnte dankend ab. Doch diese Aktion zog dann einen Rattenschwanz hinter sich her. Sich versuchte mich überall schlecht zu machen und mich zu diskreditieren, was Ihr auch bei einigen gelang. Nur mit Mühe konnte Ihrem Treiben ein Ende bereitet werden. Nun kann ich mich wieder ganz auf Sandra konzentrieren, denn mittlerweile telefonieren wir schon und haben dabei sehr lange Gespräche. Ich habe Ihr nur meine Liebe gestanden und fühle mich gut dabei.

Auch sie hat mir jetzt die berühmten drei Worte gesagt. Ich bin der glücklichste Mensch der Welt geworden. Ich komme auch mit Ihrer Familie sehr gut klar. Schreibe auch viel mit Ihrer Mutter. Sie war es auch, die mich zur Silvesterfeier 06/07 eingeladen hatte. Wie schön. Ich konnte endlich Sandra sehen. Aufgeregt war ich, wie ein kleiner Junge vor dem ersten Schultag.

Am 29.12.06 war es dann soweit. Mein Zug hielt in Weinheim, einem Nachbardorf von Hemsbach an. Hemsbach war nämlich Ihre Heimatstadt. Herzlich wurde von allen begrüßt. Und das Beste war, ich stand vor „meiner“ Sandra und war begeistert. 3 schöne Wochen verbrachte ich dort und sie waren schöner, als die letzten 10 Jahre musste ich eingestehen. Auch lernte ich einen Kollegen kennen der ein paar Orte weiter wohnte. Er hieß Stefan und wohnte in Wald-Michelbach, was in Hessen lag. Als ich dann wieder abreisen musste, standen mir die Tränen in den Augen. Doch keiner sollte da etwas mitbekommen, da Sandra und ich uns einig waren, es Ihren Eltern noch nicht mitzuteilen. Wir haben nun lange Telefongespräche, doch ich vermisse sie so sehr.

Ostern sollte es dann wieder soweit sein, ich bin abermals in Hemsbach eingeladen. Wieder mache ich hier Freudensprünge.

Es war eine schöne Zeit, die ich wieder einmal dort verbringen durfte. Wir waren bei einem Konzert von dem berühmten Orgelspieler Franz Lambert. Auch lernte ich erneut eine Kollegin kennen. Ursula aus Fürth/Bayern. Doch es gab auch nicht so schönes zu berichten. Steffi, die Schwester von Sandra, hatte ausgeplaudert, dass mehr als nur Freundschaft zwischen Sandra und mir bestand. Die brachte mich auf einen schlechten Stand in Ihrer Familie. Wurde immer wieder schlecht angesehen und ich stand als Ratte da. Warum nur? Ich hab auch nie wirklich erfahren, was an mir so schlecht war. Ob es daran liegt, dass ich kein großes Vermögen habe, oder dass ich krank bin, ich weiß es nicht.

Die Tage vergingen, die Sehnsucht wuchs. Ich hatte mich auch entschlossen, zu Ihr zu ziehen, um nahe bei Ihr zu sein. Mein größter Wunsch. Doch die finanziellen Mittel schlagen mir immer wieder ein Schnäppchen. Irgendwie muss es mir doch gelingen. Nur wie? Ich war auch schon wieder im Krankenhaus gewesen. Und das zweimal innerhalb weniger Wochen. Beim zweiten Mal war es ein Verdacht auf Infarkt.

Als ich dann wieder zu Hause war, hatte ich mich vom Radiosender getrennt, da es zu viele Dinge dort gab, die ich nicht gut fand.

Doch was jetzt passiert, kann ich nicht nachvollziehen. Denn ich bekam über dritte gesagt, dass ich dort unter den Kollegen nun vom Chef einer Sache beschuldigt wurde, die vor kurzer Zeit im Sender passiert war. Ich war geschockt. Hab ich etwas getan, woran ich mich nicht erinnere? Geht das schon wieder los? Ich habe so viele Fragen. Unsicher und bedrückt suche ich mir jetzt Hilfe in der Psychiatrie. Dort, wo sie mir schon früher geholfen haben, wenn ich am Abgrund stand. Auch große Verlustängste kommen in mir hoch, da Sandra mit der ganzen Geschichte nicht klarkommt und damit, dass ich in die Psychiatrie gehe. Doch es ist für mich das Beste zurzeit um nicht wieder in ein Loch zu fallen.

Für Sandra ist das Thema Psychologie nicht einfach, was ich auch verstehe, da selbst ich, der seit fast 5 Jahren damit lebt, nie alles verstanden habe, was in mir passiert. Ich hoffe auch, dass es Möglichkeiten gibt, um es ihr zu erklären.

Jetzt heißt es wieder einmal abwarten und Tee trinken.

 

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13.)  Kapitel   - Ein neuer Rückfall -

Am 24. Juli 2007 war es dann soweit. Ich wurde in der Psychiatrie aufgenommen. Mit einem komischen Gefühl im Magen, betrat ich dort die Station. Welch Wink des Schicksals, ich kam auf dieselbe Station, auf der ich bei meinem ersten Klinikaufenthalt 2002 war. Station 2. Irgendwie hatte ich ein Déja Vue. Nun kamen weiter Ängste in mir hoch. Wird es genauso werden wie 2002? Jedenfalls war das Pflegepersonal von Anfang an sehr zu mir. Nun war es soweit. Ich war wieder in der „Anstalt“. Die erste Woche war es sehr ruhig, da ich an keinen Therapien teilgenommen hatte. Das ist so üblich, dass man die erste Woche in Ruhe gelassen wird um erst einmal zur Ruhe zu kommen. Danach ging es los. Gruppentherapien und Einzelgespräche. Jetzt nach 4 Wochen muss ich sagen, dass ich viele Fehler an mir festgestellt habe, die ich nun bearbeiten muss. Jedenfalls hab ich schon wieder einen Fehler begangen, in dem ich ein Gedicht an meinen Kumpel geschickt hatte. Das wurde falsch aufgenommen. Er erzählte dies dann Sandra, was keinen guten Eindruck auf mich machte. Das war wohl ein kleiner Stein vom ganzen, warum sie dann zu mir sagte, dass es besser wäre, wenn man „nur“ gute Freunde ist. Eine Sache, mit der ich gar nicht umgehen konnte. Sie hatte Schluss gemacht. Weil ich mal wieder was falsch gemacht hatte und nicht in der Lage war, die Entfernung zu überbrücken, die ich Ihr einmal versprochen hatte. Wieder einmal stelle ich alles an mir in Frage. Bin jemals beziehungsfähig? So viele unbeantwortete Fragen kreisten in meinem Kopf. Egal jedenfalls, wie das Verhältnis zwischen Sandra und mir ist, sie wird immer meine Traumfrau bleiben. Sie ist die Frau meines Herzens geworden, die immer in mir bleiben wird. So viele schöne Erinnerungen, die sie mir gegeben hat. Bin auch sehr glücklich und stolz darüber, dass ich sie weiterhin als gute Freundin haben darf. Sie strahlt soviel Wärme aus, wie ich sie die letzten 15 Jahre nicht erleben durfte. Auch wenn sie eines Tages einen neuen Partner findet, was ich ihr natürlich von Herzen gönne. Ihren Wunsch nach einer Familie mit Kindern werde ich wohl sowieso nicht erfüllen können, da es Probleme mit meinem Körper gibt, der einen Kinderwunsch wohl vereitelt. Jedenfalls hat diese Sache mal wieder an meinem Selbstwertgefühl sehr stark gekratzt. Doch damit muss ich leben umzugehen und nicht immer gleich meine Lieblingsworte sagen: „Du bist ein Versager und an allem Schuld!“

Also heißt mein Motto nun: „Arbeiten, arbeiten und das Selbstwertgefühl heben.“ Und was das wichtigste ist, was ich lernen muss, ist allein zu leben, denn die Einsamkeit ist mein größter Feind. Vielleicht lerne ich ja irgendwann neue Freunde kennen, mit denen ich etwas unternehmen kann, soweit es meine finanziellen Mittel es zulassen. Ich hab zwar noch einen Freund hier, doch ich hab das Gefühl, er will mit mir nicht mehr viel zu tun haben, warum auch immer. Leider kann ich dies nicht mit Gewissheit sagen, denn ich bin da leider zu feige, ihn direkt danach zu fragen. Aber vielleicht finde ich dies ja eines Tages heraus. Bis dahin ist mein einziger Kontakt zur Außenwelt die Sandra. Nun muss ich mich wieder fertig machen, denn ich muss morgen wieder zurück in die Klinik. Bin heute nur auf Belastungserprobung in der Wohnung.

Heute ist es soweit, ich bin nun wieder aus der Psychiatrie entlassen worden. Reicht auch nach 6 Wochen, die ich mich dort aufgehalten habe. Nun hat mich auch der Alltag schneller wieder ein, als ich es vermutet habe. Diese Einsamkeit und diese Stille scheinen mich regelrecht zu erdrücken. Immer wieder stelle ich mir die Frage, wie es weitergehen soll mit mir und ob ich das alles, was ich in den letzen 6 Wochen gelernt habe umsetzen kann. Alles dies ist bei mir noch ungewiss, denn ich weiß, dass ich schon öfters probiert habe ein „normales“ Leben zu führen, bei dem ich zu oft schon gescheitert bin. Doch irgendwie muss es weitergehen.

Heute ist mal wieder so ein Tag, an dem ich nicht weiß, wie ich mit meinen Gefühlen umzugehen habe, denn das Alleinsein ist ein Stress für mich. Auch habe ich für mich entschlossen, nie wieder mein Herz für jemanden zu öffnen um nicht in die Gefahr zu kommen wieder trauern zu müssen. Denn das was ich hier durchmache ist Trauer. Ebenso ist mir auch klar, dass ich vieles selbst verschuldet habe, wie ich es immer tue. Irgendwann im Leben muss ich etwas getan haben, dass mich verwehren lässt, glücklich zu sein. Hab auch die Hoffnung aufgegeben, dass die einmal passieren wird. Man sagt normalerweise, dass die Hoffnung als letztes stirbt, was bei mir auch in Frage kommt, da sie für mich gestorben ist. Mein Herz bleibt nun mal bei dem Menschen, den ich von ganzen herzen geliebt habe und es weiter tun werde, auch wenn es eine unerfüllte Liebe bleiben wird. Doch allein der Gedanke hält mich am Leben. Oft kommt mir auch der Gedanke, dass eigentlich alles vergebens ist, doch noch hab ich den Lebenswillen, wenn ich auch nicht sagen kann, wie lange diese anhält. Ich weiß auch, dass wenn ich alles beenden werde, einige um mich trauern werden, doch so schlimm kann’s nicht werden, da ich so vielen Menschen Leid zugefügt habe.

Also lebe ich einfach in den Tag hinein und warte, wenn ich ehrlich bin, dass es mich eines Tages erwischt und ich von der Welt gehe. Wenn ich auch keinen aktiven Gedanken daran habe, so wäre ich nicht enttäuscht, wenn’s passieren würde.

Heute habe ich mir eine neue Wohnung angemietet in Twistringen. Die Ärzte hatten mir ja geraten in die Nähe des Krankenhauses zu ziehen, da ich näher an den Einrichtungen wäre und auch Geld sparen könnte, wenn ich eine kleinere Wohnung mir zulege. Dies hab ich nun getan und der Mietvertrag ist unter Dach und Fach. Habe es nie geschafft zu Sandra zu ziehen, weil ich zu dumm dazu war und auch zu wenig Geld hatte, was von vielen Seiten nicht verstanden wurde. Was solls ich bin hat ein Verlierertyp und man gewöhnt sich daran. Mein Leben wird wahrscheinlich immer auf der Verliererspur sich abspielen und vielleicht habe ich es auch nicht besser verdient. Wer weiß das schon.

Also wird ich mich meinen Sorgen hingeben und warten was passiert. Leider ist alles nicht leicht, da ich Sandra nicht aus dem herz bekommen kann und auch nicht will. Nun ja ich weiß auch, dass sie noch ein ganzes Leben vor sich hat und mit einem alten Kerl wie mir nicht gut bedient wäre. Es gibt vieles an mir, mit dem sie nun mal nicht klargekommen ist. Da wäre zum einem meine psychische Krankheit und dazu hab ich ja noch andere Krankheiten, die nicht grade kleinlich sind.

An diesem Tag heute habe ich wieder das Verlangen, an dem ich sie einfach in den Arm nehmen könnte. Doch wahrscheinlich ist auch besser so für beide Seiten. Ich wäre ja doch nur ein Klotz am Bein. Es gibt so viele Situationen, bei denen ich anfange zu weinen wie ein kleines Kind. Oft kann ich es verbergen, damit man mich nicht für ein Weichei hält. Es sind eigentlich immer nur Kleinigkeiten, die das zum Ausbruch bringt. Sei es ich höre Lieder, die mich an sie erinnert, Bilder, die ich mir ansehe oder auch wenn sie Sendung hat und ich ihre Stimme höre, genauso wie wenn ich mit Ihr telefoniere. All dies bringt mich oft dem Wasser sehr nah. Jedenfalls hoffe ich, sie hat nun mehr Glück im Leben, als es früher war. Ich freue mich auch so sehr für sie, dass sie nun einen Ausbildungsplatz gefunden hat. Endlich ist Sandra auch krankenversichert, falls etwas mal passieren sollte. Also alles im Ganzen steht ihr nun das Leben offen. Da wäre ich auch nur eine zusätzliche Belastung. Wer weiß, was mir das leben noch bringt und wie lange ich es noch habe, was man nie voraussehen kann. Also ist von nun an „Abwarten und Tee trinken“ angesagt, wie es so schön heißt.

Wir haben heute Sonntag, den 21. Oktober. Bin heut ziemlich früh aufgewacht, da ich schlecht schlafen konnte. Also bin ich seit langem einmal wieder in die Kirche gegangen. In Harpstedt gibt es eine schöne Kirche. Die Predigt wurde von der Landesbischöfin gehalten. Sie erzählte über Gott und wie gut er doch zu den Menschen sei. Hatte das auch aufmerksam verfolgt. Doch als die Kirche zu Ende war und alle nach draußen gingen, fragte sie mich beim verabschieden, ob ich an der Predigt Zweifel gehabt habe, da sie wohl den Eindruck gehabt hätte. Also kamen wir ins Gespräch. Sie fragte mich, wo ich den gezweifelt hätte. Ich erzählte etwas aus meinem Leben und fragte sie einiges nach Gott.

„Als ich 31 war und meine Mutter an Krebs erkrankte, hatte ich zu Gott gebetet, sie möge gesund werden. Sie starb nach etwa 12 Monaten. Mit 39 wurde ich von der Frau verlassen und habe in der Psychiatrie gebetet, alles möge wieder gut werden. Nach 11 Monaten wurde ich geschieden. Mit 41 habe ich erfahren, dass mein Stiefvater an Krebs erkrankt ist und wieder betete ich, er möge gesund werden. Nach 6 Monaten war die Beerdigung. Als ich 43 war, habe ich erneut verliebt und Gott gedankt, dass er mir eine so tolle Frau vorgestellt hat. Nach etwa 9 Monaten hatte sie Schluss gemacht mit mir.“ Nun fragte ich sie, wo Gott war oder warum er mich so für mein Leben bestraft hat. Was ich machen soll, damit er wieder gnädig ist.

Auf all meine Fragen erwiderte ich nur ein Achselzucken. Sie sagte noch, dass es nicht immer im Leben einfach ist und alles seinen Sinn hat. Das war der richtige Satz, ich wäre fast wütend Ihr gegenüber geworden. Jedenfalls hatte sie mir abschließend noch ihre Mailadresse übereicht, damit ich schreiben kann, wenn ich mal Probleme habe.

 

Nun ist es soweit. Bei meinem letzten Aufenthalt in der Psychiatrie hat man mir bewusst gemacht, dass es besser wäre, ich würde von Harpstedt wegziehen. So hab ich mich auf die Suche gemacht und bin nun in Twistringen gelandet. Es war bestimmt kein leichter Schritt für mich, doch die positiven Eigenschaften überwiegten den negativen. Also hab ich all meinen Mut gepackt und bin umgezogen. Nun sitze ich hier in einer neuen Wohnung und Umgebung. Gut ist, dass ich Twistringen schon etwas kenne und mir daher einiges bekannt ist. Doch innerlich bin ich seit 2002 nie richtig sesshaft geworden. Oft komme ich mir vor wie ein Vertriebener oder ein Flüchtling. Vielleicht gibt sich das ja eines Tages auch noch. Ich habe auch gelernt mich dem Schicksal einfach hinzugeben und dies fast wehrlos. Vielleicht ist dies ja der Ort, den ich für den Rest meines verkorksten Lebens verbringen werde. Man soll ja niemals nie sagen doch positive Gedanken kann ich immer noch nicht so richtige abgewinnen. Also lasse ich mich einfach überraschen, was alles noch auf mich zukommen wird. Eigentlich kann es ja nur noch besser werden.

Jetzt bin ich schon die ersten Wochen hier und habe mich einigermaßen eingelebt.

Heute am 21.12.07 bin ich wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Habe dort 4 Tage verbracht, als ich nach einem Kreislauf-Kollaps unten an der Haustüre zusammengesackt bin. Der Aufenthalt war ja nicht das schlimmste. Nur die Schlussdiagnose, welche gestellt wurde, hat mich umgehauen. „Broken-Heart-Syndrom“! Ich wollte erst lachen, denn so etwas kannte ich nur aus Filmen oder ähnlichem. Aber dass ich selbst darunter leide? Das war fern es zu glauben. Doch in der Erklärung, die ich von dem Arzt und Psychologen dort bekam, hat mich überzeugt. Doch wie kann ich daran arbeiten? Klar stehe ich gedanklich immer noch bei meiner letzten Liebe, die für mich ja die schönste war, welche ich erleben durfte, auch wenn sie nur kurz war. Doch diese Liebe hat sich wegen der schönen Erlebnisse und der Gefühle, so sehr eingebrannt, dass ich selbst vielleicht darüber hinweg bin. Doch mein Herz, was die Psychologen auch als die Seele des Menschen darstellen, ist da noch lange nicht darüber hinweg und verkraftet es noch nicht. Dazu die Herzschwäche, an der ich sowieso leide. Das ergibt einen Cocktail, der wie mir der Arzt sagte, auch unter Umständen tödlich sein kann. Auf der einen Seite hatte ich Angst, den Menschen, den ich liebe, doch nicht mehr darf zu verlieren, da mir die Freundschaft, die ich nun führe sehr viel bedeutet. Dann das kleine Teufelchen in mir, welches froh wäre, wenn alles vorbei ist. Was ist der richtige Weg? Werde ich jemals mit meinem verkorksten Leben klarkommen? „Arbeite an Dir“! Ein Satz den ich bald nicht mehr hören kann. Wie soll ich arbeiten und womit? Mir fehlen einfach die Pläne.

Aber nun stehen mir erst einmal die nächsten schlimmen Tage des Jahres bevor. Weihnachten!

Ein Wort was mir immer Angst macht. Die Einsamkeit die an diesen Tagen bei mir herrscht ist unbeschreiblich. Natürlich werde ich alles daran tun, dass man es mir nicht anmerkt, auch wenn dies nicht immer gelingt. Da ich ja eigentlich ein Familienmensch bin, weil ich es so gewöhnt bin, tut es oft weh, wenn ich mitbekomme, wie andere im Kreise Ihrer Familien dieses Fest feiern. Doch dies ist ja seit 2002 jedes Jahr ein neues Problem. Dies Jahr hatte ich am Heiligen Abend wieder eine Radiosendung gemacht, damit ich abgelenkt bin. Doch immer öfters kann ich Tränen nicht vermeiden.

Mittlerweile sind die Weihnachtstage vorbei und der Alltag macht sich wieder breit.

Nun sitze ich hier mal wieder und kämpfe mit Tränen gegen die Einsamkeit und das Alleinsein an. Dabei muss ich mich immer wieder gegen den inneren Schweinehund wehren, der es besser hält, sich einfach aus dem Leben zu verabschieden, was mir bestimmt auch gelingen würde, da ich mittlerweile sehr kreativ denken kann, was dies betrifft.

Dabei kann ich nicht sagen, ob es danach besser sein wird. Das kann, glaube ich keiner sagen. Auch wenn viele sagen, es ist nur eine Flucht vor dem Leben. Doch wer kann mir sagen, was an diesem Leben noch lebenswert ist. Wenn ich ehrlich bin, habe ich, seit ich hier wohne schon den einen oder anderen Gedanken daran gehabt. Da wäre zu einen die schicke Badewanne. Etwas Alkohol und ein paar schöne Schlaftabletten, gemixt mit Psychopharmaka würden gut Ihre Dienste tun. Also habe ich all meine starken Medikamente weggeworfen, damit ich die Aktion nicht durchführen kann. Dann habe ich schon auf dem Balkon gestanden und in die Tiefe geschaut. Etwa 15m und unten Pflastersteine. Reicht das? Nachher brech ich mir irgendwelche Knochen und bin am Ende noch an den Rollstuhl gefesselt. Auch keine Lösung und somit hab ich auch diesen Plan verabschiedet. Doch mein Tagesablauf gestaltet sich immer schwieriger. Oft möchte ich einfach den ganzen Tag nur im Bett bleiben und schlafen, damit mich die große Langeweile nicht fertig macht. Gut, ich könnte spazieren gehen, was ich auch hier schon manchmal gemacht habe. Doch worin ist der Sinn, jeden Tag dies durchzumachen? Das ist dann der Zeitpunkt, an dem ich alles anzweifle und mich selbst auch für mein Leben verantwortlich mache. Zuviel Fehler habe ich gemacht und immer wieder bin ich in ein neues Fettnäpfchen getreten. Da denkt man, ein Licht am Ende des Tunnels ist zu sehen, da kommt ein Windzug und ich steh wieder im Dunkeln. Und das geht schon seit fünf Jahren so. Jedes Jahr aufs Neue und immer wieder die gleichen Gedanken. Klar könnte ich mir Abwechslung suchen. Zum Beispiel eine kleine Nebenbeschäftigung, doch dies gestaltet sich auch hier sehr schwer. Habe bereits in 5 Geschäften nachgefragt, ob sie für einen Frührentner eine Arbeit haben. Immer nur Absagen. Leider. Nun bin ich wieder am Anfang und merke, dass es nicht einfach ist, bei der aktuellen Arbeitslage einen kleinen Job zu finden, der meine Haushaltskasse verbessern könnte. Alles in allem stehe ich wieder einmal vor einem Gedanken-GAU. Bisher habe ich die ganze Situation noch im Griff, doch ich kann niemanden versprechen, dass ich diesen Schritt nicht eines Tages durchführen werde.

 

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14.) Kapitel - Ein neues Jahr -

Das neue Jahr 2008 hat eigentlich ganz gut begonnen. Im Radio hatte ich eine Sylvesterparty gemacht und alle hatten Spaß.

Dann gegen 3:45 am Neujahrsmorgen schrieb dann Sandra im Chat, dass sie unbedingt einen Kerl braucht, aber es kommt ja zum Glück einer heute. Als nächstes kam noch der Kommentar von Ihr, dass die letzten alle nichts taugten. Nun ja, da ich meinem Wissen nach der letzte war, taugte ich nichts. Das alles hat mich dermaßen niedergeschlagen, dass ich in diesem Moment wirklich gedacht habe, nun musst Du Dich von der Welt entfernen. Schließlich wurde es ja öffentlich ausgesprochen. Alle Möglichkeiten schossen mir in diesem Augenblick durch den Kopf. Das wie und das wo, denn schließlich sollte es klappen und das für immer. Also setzte ich auf meine HP, die eigentlich noch keine war eine Abschiedsseite. Aber in letzter Minute ergriff ich dann noch den Mut und habe mich in die Klinik begeben, die zum Glück nur 5 Fußminuten entfernt ist. Dort habe ich regelrecht um Hilfe gebettelt. Ich bekam einen kleinen Trunk, ein Bett zugewiesen und danach eine Spritze, denn ich konnte die Fragen, die mir der Psychologenarzt dort stellte nicht zu seiner Beruhigung beantworten. Was dann mit mir geschah, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht war es auch gut so, denn meine Gedanken waren bis zu dem Zeitpunkt nur auf einen Suizid gerichtet. Somit hab ich den ganzen 2. Januar verschlafen. Als ich dann am 3.1. abends wieder nach Hause durfte mit der Bitte, ich möge wiederkommen um mich therapieren zu lassen, hatte ich Anrufe auf meinem AB. Einen von Sandra und einen von Frank, einen Kumpel, den ich aus dem Chat kenne. Zuerst rief ich Sandra an, die mich sofort mit Worten attackierte ohne dass ich mich wehren konnte. Ich entschuldigte mich für mein Verhalten und erklärte ihr, warum es zu meiner Reaktion kam. Doch diese wurde nicht angenommen oder einfach ignoriert. Vielleicht war es ja auch beabsichtigt um mich zu reizen. Sie kam noch mit der Aussage, dass sie etwas getrunken hatte. Doch wie sagt ein altes Sprichwort: "Betrunkene und Kleinkinder sagen die Wahrheit". Jedenfalls hat sie mir zu verstehen gegeben, dass sie jegliche Kontakte zu mir abbricht. Ok dachte ich, Du hast es Dir ja auch selbst eingebrockt. Doch was muss ich alles ertragen oder hinnehmen? In meiner letzten Therapie sollte ich lernen mich zu wehren und mir sagen, wenn ich mich verletzt fühle. Und verletzt gefühlt hatte ich mich. Es war wie ein Dolchstoß, den sie mir verpasste.

Also zog ich Konsequenzen und kontaktierte den Chef vom Radio und erzählte ihm was vorgefallen war und sprach sogleich eine Kündigung meinerseits aus. Doch Horst hatte mich soweit zurückgebracht, dass er mir vorschlug, ich sollte eine Auszeit von etwa 2-3 Monaten machen. Wir einigten uns dann auf 2 Monate. Doch was ist nach der Zeit? Kann ich je wieder den anderen Kollegen unter die Augen treten?

Heute ist der 4.1.08 und ich habe mich in der Psychiatrie vorgestellt und mir dort Termine geholt. Normalerweise dauert es 8-10 Wochen, bevor man einen bekommt, doch angesichts meiner Lage bekam ich einen für die nächste Woche, sowie Medikamente der starken Klasse für die Übergangszeit. Nun kann ich nur noch hoffen, dass ich diesmal mit meiner Therapie Erfolg habe, sonst ist mein Leben wirklich zu Ende. Denn was nützt es, wenn ich ein paar Wochen, bzw. Monate klarkomme und dann wegen eines kleinen Zwischenfalls sofort umkippe. Aber ich lass mich überraschen was passiert. Auch wie es weitergeht, wenn ich im Radio wieder anfange. Ich kann nur sagen, dass ich schreckliche Angst um mich habe und Gott mir verzeiht, wenn ich mein Leben selbst beende, ohne dass er mich zu sich ruft. Vielleicht hat er auch ein einsehen mit meiner Situation und alles geschieht ganz von alleine, ohne mein Zutun. Das wäre im Moment das Beste, was mir passieren kann. Das sind die Augenblicke, wo man nicht mehr an andere denkt, sondern nur noch an sich selber. Es mag den einen oder anderen Menschen geben, der mich da verstehen kann, wenn man einfach keine Zukunft mehr sieht. Natürlich habe ich selber schuld, wenn ich keine Freunde mehr habe, da ich viele, wie jetzt auch Sandra, durch mein Verhalten verloren habe. Ich musste auch feststellen, dass es niemanden gibt, der immer genügend Kraft aufbringen kann um mich aufzumuntern. Das könnte ich bestimmt an anderer Stelle auch nicht. Obwohl ich immer erst an andere denke oder alles für andere tun würde, merke ich nicht, wie ich Menschen, die mir nahe stehen oder standen von mir wegdränge. Komme mir da vor wie in einem Teufelskreis. Warum kann ich mir nicht einfach helfen, so wie ich es anderen raten würde. Aber sobald ich mein Spiegelbild sehe, dreht sich alles und ich kann mir selbst nicht in die Augen sehen. Gerade in den Abendstunden ist der Gedanke an einen Abschied vom Leben am größten. Zum Alkohol greife ich nicht, da in meinen Erinnerungen die Erfahrungen sich widerspiegeln, dich ich mit meinem Steifvater machen musste. Auch wenn ich manchmal etwas trinke, so habe ich bisher immer noch rechtzeitig die Bremse geschafft. Doch was ist eigentlich so schlimm an einem Suizid? Warum darf ich nicht das Recht haben über mich selbst zu bestimmen und auch sagen zu können, wann ich gehen möchte. Wenn ich bei jemand zu Besuch bin, kann ich auch jederzeit gehen und keiner fragt mich was das soll. Wem das Leben einfach nicht mehr gefällt, der sollte entscheiden können gehen zu dürfen. Weshalb muss man sich Tag für Tag durch quälen ohne ein Ziel oder Sinn? Aber man wird immer gleich schief angesehen, wenn man offen darüber spricht. Ich habe mich also nun in die Psychiatrie einweisen lassen, nachdem ich mit der Ambulanzpsychologin ein Gespräch hatte. Sie sagte mir, ich solle ein paar Tage  dort verbringen, um etwas zur Ruhe zu kommen. Bei mir war die Lage insofern kritisch, da ich mal wieder der Meinung war, dass ich der Gesellschaft nur schade und Unglück über andere Menschen bringe. Ich habe es Ihr auch erklärt, was am Neujahrsmorgen passiert war. Dass all meine Gedanken verrücktspielten und ich eigentlich niemand schaden wollte. Es sind mir einfach die Nerven durchgegangen in dem ich die Homepage geändert hatte. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich daran gedacht, dass andere diese lesen würde und sich Sorgen um mich machen. Vielleicht auch deshalb, weil ich nicht bedacht hatte, dass ich anderen doch noch ein kleines bisschen bedeute. Ich war in Gedanken so vertieft, dass ich allein da stehe und nichts tauge. Warum sollten sich dann auch andere Gedanken über mich machen? Das war mir in diesem Augenblick nicht in den Sinn gekommen. Und um mich selbst zu schützen, habe ich 2 Nächte im KRH verbracht, in denen ich durch starke Medikamente ruhig gestellt wurde. Erst als ich dann wieder zu Hause war und ich die Nachrichten auf dem AB vorfand, ist mir bewusst geworden, was ich angestellt hatte. Doch da war schon alles zu spät und ich hatte einen Stein ins Rollen gebracht, den ich nicht mehr aufhalten konnte. Also suchte ich das Gespräch mit Horst und habe mit Ihm die Auszeit vom Radio besprochen. Wie es dort nun weitergeht kann ich nicht sagen. Eigentlich wollte ich Internet komplett abmelden. Aber die Psychologin riet mir dies nicht zu tun, da es für mich ein Rückzug wäre aus einer Gesellschaft, die mir bisher gut getan hatte, da ich oftmals abgelenkt war. Sie sagte mir auch dass sie es nicht für notwendig hält einen kompletten Therapieaufenthalt in der Klinik zu machen, sondern nur für eine Woche die Ruhe zu finden, in der ich von äußeren Einflüssen abgeschirmt bin. Also werde ich nun ein paar Sachen zusammenpacken und mich dort hinbegeben. Am 21.01.08 habe ich dort nun mein nächstes Gespräch mit einem Psychologen. Wieder ein neuer. Ich bin gespannt, was diesmal dabei herauskommt.

"Katastrophe!!" Das ist der Begriff der passiert war. Heute ist der 22. Februar 2008 und ich bin gestern wieder aus der Psychiatrie entlassen worden. Alles fing in Twistringen an. Ich hatte mich dort eingewiesen, da ich einfach mit mir nicht mehr klarkommen konnte. Ich war einfach nicht mehr ich selbst. Also begann am 5. Januar wieder einmal ein stationärer Aufenthalt. Alles fing ganz gut an, bis ich am 8. Jan. einen Tiefpunkt hatte und ich der Meinung war, ich passe nicht in diese Welt und ohne mich wäre sie besser dran. So passierte es, das ich versuchte mir dem Leid ein Ende zu setzen. Doch ich wurde dran gehindert und kam stattdessen in die geschlossene Psychiatrie ins Landeskrankenhaus nach Osnabrück.

Was in der ganzen Zeit passiert ist, kann ich nicht immer nachvollziehen, da man mich oft zu meinem Selbstschutz stark unter Medikamente gesetzt hatte. So fehlen mir einige Tage in meinem Gedächtnis. Jedenfalls hatte ich noch viele Gespräche mit Ärzten und Psychologen. Immer wieder wurde mir bewusst gemacht, dass ich zu sehr unter meinem Selbstwertgefühl leide, in dem ich mich selbst sehr oft abwerte. Es wurden auch die ganzen Psychopharmaka geändert, so dass ich komplett medikamentös neu "eingestellt" wurde. Ich werde wahrscheinlich nie wieder derjenige sein, der ich mal war. Die Hauptsache ist jedoch, dass mich die Medikamente ruhig stellen und ich somit nicht mehr so viel nachdenke. Alles hat nun mal seinen Preis. Ich muss halt nur lernen damit umzugehen. Ich merke selbst auch, dass mich die neuen Medikamente stark ruhig stellen. Man erlebt die Tage in gewisser Weise gedämpft. Ich bin dadurch auch viel ruhiger geworden.

Wie es nun mit dem Radio weitergeht, kann ich auch noch nicht sagen. Jedenfalls habe ich mich beim Radioinhaber zurückgemeldet und er sagte auch, dass ich erst einmal nicht senden sollte, und mich an meine Umgebung wieder gewöhnen sollte. Ich warte nun einfach mal die Zeit ab, wie es weitergeht. In der Twistringer Psychiatrie habe ich auch schon neue Termine bekommen als ich heute dort meine Unterlagen abgegeben habe.

Die Zeit vergeht mal wieder wie im Fluge. Mir kommt es so vor, als sei Weihnachten gerade erst vorbei, da steht schon Ostern vor der Türe. Mittlerweile bin ich in der Theatergruppe wieder voll integriert und gerade dabei wieder eine neue Maske zu bauen. Ansonsten geht es mir soweit ganz gut. Es gab schon schlimmere Zeiten.

Heute habe ich beim Radiosender aufgehört. Ich habe lange überlegt, doch wenn man von Kollegen (Sandra) gehasst wird, dann hat es kein Sinn mehr in solcher Umgebung zu arbeiten. Es tut mir um den Betreiber leid, da er nun für mich einen Ersatz finden muss. Doch es ging einfach nicht anders und somit habe ich diesen Schritt dann letztendlich getan. Ich werde mich nun auch nicht mehr so aktiv im Internet sehen lassen, da ich ja sowieso nur ein "Nichtsnutz" oder "A....loch" bin, wie ich es in einigen Mails zu hören bekommen habe. Trotz einschalten der Polizei konnte niemand ermittelt werden, da die IP-Adresse beim Mailversand an mich verschleiert wurde. Vermutungen aus welchem Kreis die Mails gekommen sind, sind da rein spekulativ. Jedenfalls muss es für den oder diejenige viel Freude bereiten einen Menschen verbal fertig zu machen. Doch die Zeit, in der ich mir alles gefallen lasse ist mittlerweile vorbei, ich werde Mittel und Wege finden die Person(en) ausfindig zu machen und wenn es das letzte ist, was ich tue. Und diesmal werde ich mich wehren, dass der Absender sich wünschen wird, mich nie angeschrieben zu haben. Leider ist mir dies in den nächsten Monaten nie gelungen.

Was mir in dieser Zeit bewusst wurde, ist dass es schön ist Freunde zu haben. Zwei davon hab ich sehr in mein Herz geschlossen. Zum einen ist da Marion, die ich beim letzten Aufenthalt in der Klinik kennen gelernt habe und zum anderen Ihre Freundin Katja. Beide sind immer sehr nett zu mir und helfen mir wo sie können.

Was mir auch sehr gut tut, ist das morgendliche Kaffeetrinken mit meiner Nachbarin. Es hatte sich irgendwann ergeben und nun ist jeden Morgen zwischen 9:30 und 10:00 Treffen beim Kaffee. Man tauscht Neuigkeiten aus und redet etwas.

Am Ostersonntag, den 23.03.08 gegen 20:00h hab ich dann mal wieder einen RTW rufen müssen, da ich Schmerzen in der Brust hatte. Als die Notärztin eintraf, wurde mein Verdacht auch gleich bestätigt. Ich hatte meinen dritten Herzinfarkt. Mit dem RTW kam ich erst nach ins Krankenhaus Bassum und wurde dort untersucht. Nach kurzer Zeit wurde ich weitergebracht nach Bremen ins Krankenhaus „Links der Weser“. Dort machte man eine Herzkathederuntersuchung und stellte fest, dass ein Kranzgefäß zu 70% und ein anderes zu 60% verschlossen war. Dort war man sich nicht sicher ob eine Ballondehnung mit STENT oder ein Bypass gemacht werden sollte. Dies würde man am folgenden Dienstag bei der cardiochirurgischen Konferenz besprechen. Also brachte man mich in der Zwischenzeit zurück nach Bassum. Dort wurde ich dann weiter betreut, bis feststand, was gemacht wird.

Im Bassumer Krankenhaus wurde ich auch von einer Abordnung der Theatergruppe besucht.

Am 02.04.08 kam ich dann wieder nach Bremen und bekam nach Ballondehnung zwei Stents in die Kranzgefäße und wurde einen Tag später dann entlassen.

Da dies medikamentöse Stents waren, musste ich nun mindestens für ein Jahr starke Blutverdünner nehmen, um einen weiteren Verschluss zu verhindern. Damit konnte ich vergessen, mich wegen des Nierensteins behandeln zu lassen.

Der Dezember und somit die schlimmen Tage (Geburtstag, Weihnachten und Sylvester) verliefen besser ich gedacht hatte. Anscheinend kommt so langsam Ruhe in mein verkorkstes Leben.

 

Nun hat wieder ein neues Jahr begonnen. Wir schreiben jetzt 2009.

Ich bin sehr gespannt, welche Aufregungen mir dieses Jahr passieren.

Mit der Theatergruppe bin ich wieder groß im Geschäft und es macht mir aus sehr viel Spaß. Meine erste komplett eigen hergestellte Maske  hab ich auch fertig. Sie ist dem Aussehen nach dem Müller aus Max & Moritz von Wilhelm Busch angefertigt.

Der erste Auftritt damit war im Altenheim Twistringen und war ein toller Erfolg.

Im April hab ich beim Umzug von Marion geholfen, sie zog von Leeste nach Schnepke und ist nun eine Nachbarin von Katja.

Vom 27. Juli bis 1. August hab ich in dem Klinikum Bremen-Mitte endlich meinen Nierenstein entfernen lassen. War ja auch Zeit, nach fast eineinhalb Jahren Schmerzen.

Im September hatten wir mit der Theatergruppe einen Auftritt im Bremer Pumpwerk. Wir spielten eine Schokoladenfabrik. Es wahnsinnig viel Spaß gemacht. Wir wurden sogar gefragt, ob wir das nächstes Jahr wiederholen möchten.

Nur habe ich zurzeit ein kleines Problem. Alles begann am 7. Jahrestag meiner „Kündigung“ von Sabine. Seit dem ist alles anders. Auch wenn ich so nicht darüber reden kann, so herrscht in mir ein Krieg, bei dem ich Angst habe ihn zu verlieren. Irgendwie kann ich nicht sagen, was alles in mir vor sich geht, doch ich fühle mich immer stärker als einen Versager auf aller Strecke. Als ich zu Letzt bei der Tafel war, bekam ich den Satz zu hören: „Bei Deiner Figur muss ich Dir wohl etwas mehr einpacken, damit es für eine Woche reicht.“ Das hat mir wieder einmal zu schaffen gemacht. Ich möchte ja gerne wieder eine ansehnliche Figur haben, doch mir fehlt oft der Wille dazu. Danach ärgere ich mich warum ich so schwach bin und mich mal wieder mit Essen gestopft hab. Dann komm ich zum Schluss, dass ich ein Versager bin. Zum einen bin ich sehr froh, Freunde wie Marion und Katja zu haben, doch seit geraumer Zeit traue ich mich kaum noch auf die Straße, da ich das Gefühl habe, ich werde von allen angesehen, die sich über mich und meine Figur lächerlich machen, auch wenn es vielleicht nicht so ist.

Das ist auch ein Grund, warum ich es vermeide die beiden zu besuchen. Doch direkt sagen kann ich es Ihnen nicht. Ich habe Angst, sie könnten es nicht verstehen. Es kommen mittlerweile immer mehr Minderwertigkeitskomplexe über mich, gegen die ich mich nicht wehren kann.

Vielleicht ist alles auch nur Einbildung und ich mach mich selber fertig. Doch habe ich eine Schwäche,

die das Essen betrifft, auch wenn ich mich danach sehr schuldig fühle. Gerne möchte ich wieder attraktiv wirken, doch so wie es aussieht bin ich nur eine „fette Sau“. Klingt etwas hart, wenn ich diesen Ausdruck benutze, doch so fühle ich mich zurzeit wirklich. Was mir auch zu schaffen macht, ist die Einsamkeit, die ich abends verspüre. Und so wie ich aussehe, wird das auch weiter so sein. Oft sehne ich mich danach einfach mit jemanden einen Abend gemeinsam zu verbringen. Es muss nicht alles sein, doch sehne ich mich einfach nach Geborgenheit, Dinge gemeinsam zu verbringen, gemeinsam zu kochen. Mehr wünschte ich mir gar nicht. Doch was muss ich ändern, damit ich wieder an diesen Punkt komme.

Im Augenblick jedenfalls traue ich mich kaum noch aus dem Haus, da ich immer das Gefühl habe wegen meines Aussehens von allen angestarrt zu werden. Das alles klingt für Dich sicher sehr psychisch,

doch anders kann ich es nicht beschreiben. Vielleicht ist dies auch ein Grund, warum ich es vermeide andere zu besuchen. Doch sicher bin ich da nicht. Ich würd ja gerne mal wieder raus, doch mein Gemütszustand lässt dies im Moment nicht zu. Also verstecke ich mich zu Hause und gehe nur einkaufen, wenn’s unbedingt notwendig ist. Darum kaufe ich auch wenn ich losgehe so viel wie möglich ein, damit es lange hält und ich nicht so schnell wieder das Haus verlassen muss. Klingt doch irgendwie doof oder? Wem sollte ich sowas erzählen? Ein weiterer Gedanke ist, dass ich es vielleicht mit der Tagesklinik versuchen soll, da ich dann ja abends zu Hause bin und hier übernachte und tagsüber mich therapeutisch behandeln lassen kann. Meine Angst ist jedoch, dass ich irgendwann einen Zusammenbruch erleide, wenn mir alles zu viel wird. Daher sehe ich dies als Prophylaxe an. Doch was für mich wirklich der beste Weg ist, wird sich wohl in der Zukunft zeigen. Jedenfalls werde ich darüber bei meinem nächsten Termin mit den Psychologen darüber reden. Angst habe ich davor, was mit mir weiter passiert.

 

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Also beende ich hiermit meine Biographie, und hoffe, dass ich, wenn irgendwann einmal die Zeit gekommen ist, wenn eine höhere Macht nach mir ruft, einen würdevollen Abgang von der Welt haben werde. Bis dahin muss ich all meine Fehler, die ich je gemacht habe, erkannt und verstanden haben. Vielleicht kann ich bis dahin, mit diesem Wissen, noch anderen helfen glücklich zu werden. Leider habe ich nun mal das Problem, dass ich anderen zwar immer helfen möchte, aber selbst dabei auf der Strecke bleibe. Immer wieder wurde mir zwar gesagt, dass meine Genesung viel Zeit braucht, denn die Zeit soll bekanntlich alle Wunden heilen.

 

D o c h   w a s   i s t   Z e i t  ??

 

 

Nachwort

 

Die Liebe ist wie eine Blume, so duftend zart,

denn während sie blüht, erfreut man sich daran.

Doch vergisst du sie zu gießen und zu pflegen,

so wird sie bald verwelken, und ihre Blätter abwerfen.

Erst dann, während du um die schöne Blume trauerst,

erkennst du deine Fehler und erinnerst dich an die schöne Zeit der Blüte.

                                                                                       

                                                                                      (Michael Rebentisch)

 

Was ist schon das Leben gegenüber der Liebe.

Die Zeit gegenüber der Unaufhörlichkeit.

Die Geringfügigkeit bezogen auf die Unermesslichkeit?

Wir brauchen auch alle Hilfe hier auf Erden.

Gespräche, die helfen unter vertrauten Personen oder Freunden.

Wo wir nicht mehr unsere Seele wahrnehmen, da stirbt etwas in uns.

Erstarren und Kälte greifen um sich.

 

                                                                                      (Michael Rebentisch)

   

 

 

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Twistringen, den 18. September 2009